ICATAT-Schriftenreihe Nr. 7 / Neuerscheinung Okt. 2019 / Kooperationsprodukt aus interkultureller Bildungsarbeit, Wissenschaft und Verlagswesen 

3D-Cover_Pascha Magdeburg

Über 6 Jahre arbeiteten drei dutzend Menschen aus Sachsen-Anhalt und der Welt an diesem Projekt. Nun ist es da!

Titelheld ist ein hugenottischer Waisenjunge aus Magdeburg, der auf abenteuerlichen Wegen in den Orient gelangt. Im Osmanischen Reich steigt er bis zum Generalfeldmarschall auf, steht beim Berliner Kongress 1878 auf höchster politischer Bühne, besucht seine Geburtsstadt Magdeburg ehe er kurz darauf von Aufständischen in Albanien getötet und noch heute verehrt wird.

Die Geschichte von Ludwig Carl Detroit alias Mehmed Ali Pascha, dem »Renegaten aus Magdeburg«, wie ihn Reichskanzler Bismarck abfällig nannte, ist nur eine von 45 Geschichten, mit denen Brücken zwischen dem sogenannten Morgenland und Mitteldeutschland geschlagen werden. Sie beginnen im Hochmittelalter bei Prinzessin Theophanu, Ibrahim ibn Yaqub, dem Gesandten des Kalifen von Cordoba, oder dem heiliggesprochenen Mauritius aus Ägypten. Sie reichen von deutsch-tatarischen Wissenschaftskooperationen, den „Türkenkriegen“, Napoleons Leibmamluken Rüstem Rasa und den Tataren-Soldaten der preußischen Armee bis ins Heute. Sie erzählen von Reisen aus Mitteldeutschland nach Tatarstan, Israel, Persien und Nordafrika als auch solchen aus Japan, der Türkei und Syrien nach Magdeburg. Sie berichten von indischen Elefantendompteuren und preußischen Kammertürken aus der Altmark, tatarischen Antifaschisten, dem falschen Albaner-König aus Magdeburg, Tataren-Gräbern in Sachsen, einem muslimischen Studenten am Bauhaus und vielen weiteren Begebenheiten zwischen Al-Andalus, Turkestan und Börde, zwischen Istanbul, Ostpreußen und Magdeburg. Eine begleitende Webseite zum Buchprojekt findet sich unter: www.pascha-magdeburg.de

ISBN: 978–3–9819118-4-8 (icatat) ISBN: 978–3–938247-21-1 (ostnordost).   Bestellbar über jede Buchhandlung oder online unter www.ostnordost.de oder per E-Mail unter: paschamagdeburg@icatat.de

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ESS-Team Pascha

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Pascha Rezension MZ S. 25; 28.11.19

ZENITH

UHU 2 2020

Meves, Helge: Rezensionsessay zu: Mieste Hotopp-Riecke (Hrsg.): Der Pascha von Magdeburg. Der Orient in Mitteldeutschland. ICATAT-Schriftenreihe Nr. 7, ost-nordost Verlag Magdeburg, 2019 und Joseph Croitoru: Die Deutschen und der Orient. Faszination, Verachtung und die Widersprüche der Aufklärung. Hanser, München, 2018. In: DER UHU. Politik – Kultur – Gesellschaft. Nr. 2/2020, S. 8, HANSER-Verlag München. Ebenfalls erschienen in Neues Deutschland vom 27.02.2020, S. 15.

DATES November 2019

MDN Magdeburger-News.de

Pascha Magdeburg kompakt Nov. 2 2019; S. 13

Krimtatarisch-deutscher dialog

„Russlands sonniger Süden, von der Krim bis nach Sotschi…“ heißt es im Ankündigungstext für eine besondere Dokumetation auf ARTE TV. Doch anders als dieser Film suggeriert, gehört die Krim eben NICHT zur Russländischen Föderation, sondern völkerechtlich zur Republik Ukraine.

Trotz eines Einspruchs an den Programmbeirat wurde nun erneut und unkorrigiert eine Wiederholung gesendet.

Wir verfolgten mit großer Bestürzung diese erneute Ausstrahlung der arte-Dokumentation „Das Schwarze Meer – Russland“ der Regisseurin Heike Nikolaus am 12.  und 25. März 2020  auf arte TV, die journalistische Sorgfalt vermissen ließ und völkerrechtliche und menschenrechtliche Grundsätze ignoriert, verharmlost bzw. verletzt. Obwohl die Kritikpunkte durch den schriftlichen Einspruch seit 2018 bekannt sind, wurde die Sendung erneut unverändert ausgestrahlt.

WIR wenden uns dagegen und fordern keine weitere Wiederholung dieser Verharmlosung von Annexion und Repression (auf) der Krim!

Erstunterzeichner*innen:

Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien, Magdeburg (www.icatat.de) / Vizepräsident der Gesellschaft für OSTEUROPA-FÖRDERUNG e.V.

Dr. Susann Worschech (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt / O.)

Dr. Diana Siebert, Köln (Gründungsmitglied: Initiative Demokratische Ukraine / Beiratsmitglied  im Lew-Kopelew-Forum)

Prof. Dr. Kerstin Jobst, Institut für Osteuropäische Geschichte, Universität Wien / Mitglied der Kommission Südosteuropa-Türkei-Schwarzmeerregion der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Russisch-Österreichischen Historikerkommission

Markus Meckel, Berlin (Mitglied des Kuratoriums des „Europäischen Netzwerkes Erinnerung und Solidarität“ Warschau; Außenminister a.D.)

Krzysztof Piotr Stanowski, Mitbegründer der Solidarnośc und des Bürgerkomitees Solidarnośc mit der Ukraine, stellv. Außenminister der Republik Polen a.D.

Dr. Anna Veronika Wendland, Marburg, Mitglied der deutsch-ukrainischen Historikerkommission, Direktion Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Institut der Leibniz-Gemeinschaft

Rebecca Harms, Mitglied des Europäischen Parlamentes 2004 bis 2019

Dr. Vera Ammer, Initiative Demokratische Ukraine (Gründungsmitglied), Vorstandsmitglied Euromaidan NRW, Mitglied im Beirat des Lew-Kopelew-Forums

Dr. Olaf Kühl, Berlin (Ost-West-Büro Übersetung / Analyse)

Dr. Peter Gischke, Leipzig

Monika Weigand, Frankfurt a.M. (Europa Union Frankfurt)

Dr. Andreas Umland, Universität Jena.

Dr. Martin Dietze, Hamburg (1. Vorsitzender Deutsch-Ukrainischer Kulturverein e.V.)

Marieluise Beck, Direktorin Ostmitteleuropa / Osteuropa und Geschäftsführer Ralf Füchs sowie alle Mitarbeiter*innen des LibMod – Zentrum Liberale Moderne

Sören Herbst, Magdeburg

Dr. Stephan Theilig, Vizedirektor ICATAT

Steffen Dobbert, Berlin

Wolfgang Templin, Berlin

Dr. Anke Giesen, Vorstandsmitglied Memorial International und MEMORIAL Deutschland e. V.

Lenur Kerymov, Warschau (Director IP, Helsinki Foundation for Human Rights)

Peter Koller, Berlin (Mitglied der Berlin Group for Human Rights in Ukraine (Pravo))

Monika Górka & Dominik Napiwodzki,  Initiative Qırımlı Deutschland / ICATAT, Magdeburg

Roman Alieiev, Initiative Qırımlı Deutschland

Andrej Ferdinand Novak, European Cosmopolitan Consulting  https://europeancosmopolitan.eu

Irina Serdyuk, Autorin/ dAch gGmbH für offene Gesellschaft

Uwe Lehmann, Berlin (Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen und Ukraine-Stammtisch Berlin)

Emina Ragipovic, Warschau (Präsidentin der Stiftung „Fundacja Kultury bez Granic“)

Rokita Zbigniew , New Eastern Europe Journal, Kraków, Polen

Dr. Nataliya Kostyak, Ethnolinguistin

Oleh Bey, Freie Ukraine Braunschweig e.V., 2. Vorsitzender

Viola von Cramon-Taubadel, Mitglied des Europäischen Parlaments

Dr. Ellen Ueberschär, Berlin, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Lino Klevesath, Politikwissenschaftler (Institut für Demokratieforschung / Universität Göttingen)

Oleksandra Keudel, Berlin

Marcus Welsch, Filmregisseur, Berlin

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Unser Brief an die ARTE-Direktion und Programmbeirat des ZDF im Wortlaut:

Einige Kritikpunkte im Einzelnen:

„Seit 2014 ist die Krim – und damit auch Balaklava, wieder – unter der Kontrolle von Russland. Die meisten westlichen Staaten betrachten dies als Annexion. Viele Russen hier auf der Krim sehen das anders. Und Politik scheint sehr weit entfernt an dem beschaulichen Badeort.“

Die Krim ist Staatsgebiet der Ukraine. Dies ist auch die klare Haltung Deutschlands und Frankreichs, der arte-Geberländer. Der Hinweis darauf, dass die Krim wieder „unter der Kontrolle“ Russlands sei, reicht als redaktionelle Einordnung für die Ereignisse 2014 nicht aus. Es fehlt jeglicher Verweis darauf, dass dieses „unter Kontrolle“ bringen durch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Waffengewalt geschehen und gegen den entschiedenen Widerstand großer Teile der Bevölkerung geschehen ist, auch unter völkerrechtswidrigen Handlungen, wie extralegaler Hinrichtungen, „Verschwindenlassen“ und der massiven Zerstörung bzw. Enteignung von kultureller und privatwirtschaftlicher Infrastruktur von Menschen und Institutionen, die sich mit der Annexion nicht einverstanden zeigten. Auch der Hinweis, „Viele Russen hier auf der Krim sehen das anders“ reicht nicht aus. Es wäre hier zwangsläufig nötig gewesen, auch die Perspektive der ukrainischen Bevölkerung sowie der Krimtataren einzuholen, auf deren (erneute) Vertreibungsgeschichte seit der Annexion die Autorin mit keinem Wort eingeht. Die abschließende „Politik scheint sehr weit entfernt…“ ließt sich in diesem Zusammenhang wie blanker Euphemismus und ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die von der Krim vertrieben wurden und mit Einreiseverboten belegt oder heute gegen ihren Willen dort festgehalten und unter der gewaltsamen Herrschaft einer ihnen aufgezwungenen Diktatur leben müssen. Für diese Menschen ist Politik nicht „weit weg“ sondern Teil einer täglichen, bedrückenden Realität, die die Autorin bewusst ausblendet.

„Im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, erinnern fast 2000 Denkmäler an die kriegerische Vergangenheit der Heldenstadt.“

Das ist richtig. Aber zu der – jüngsten – kriegerischen Vergangenheit gehört auch die bewaffnete Annexion 2014 durch russisches Militär, bei der auch Waffengewalt eingesetzt wurde. Ohne diesen Hinweis bleibt der Passus schwärmerische Sowjet-Romantik, an der der Autorin offenbar gelegen ist. Das kann man freilich machen, wenn man es will, man muss es aber korrekt einordnen. Den ukrainischen Offizieren, die sich 2014 einer Übermacht russländischen Militärs entgegengestellt haben, wurden auf der Krim keine Denkmäler gesetzt.

„Von 1783 bis 1954 gehörte die Krim zu Russland. Bis Chruschtschow, selbst Ukrainer, die Halbinsel der Sowjetrepublik Ukraine schenkte. Viele Russen finden, Putin habe sie zurückgeholt und nun endlich ginge es wieder aufwärts mit der einst so schönen Stadt.“ 

Die Autorin bietet hier eine Plattform für eines der gängigsten Narrative des Kreml zur nachträglichen Legitimation ihres völkerrechtlich illegalen Handelns. Das Argument findet hier exklusiv ohne jede Gegenposition Erwähnung. Aus der Argumentation „Gewohnheitsrecht“ leitet sich in keiner Weise eine Berechtigung zur Annexion eines anderen Staatsgebietes ab und es ignoriert völlig die erste Annexion von 1783 mit sofort einsetzender Politik von Deportation und Repression gegen die autochthone Bevölkerung der Krimtataren, der Karaimen, Urum u.a.. Erst eine massive Ansiedlung slawisch-christlich-orthodoxer Bevölkerung vom Festland und die Vertreibung hunderttausender Krimtataren machte die Halbinsel zu einer „russischen Perle“. Erneut gibt die Autorin nur wider, was „viele Russen“ dazu zu sagen haben. Die Perspektive anderer Bevölkerungsgruppen wird ausgeblendet und dadurch als irrelevant dargestellt.

1783 wurde die Krim nicht in die Russländische Föderation eingeschlossen, sondern dem Zaristischen Reich einverleibt, welches zuvor schon einen Großteil der Festlandukraine annektiert hatte. Von 1802 bis 1917 war die Krim durch das südukrainische Taurische Gouvernement mit der Festlandukraine, jedoch nicht mit dem Territorium der heutigen RF administrativ verbunden. Die am meisten gesprochene Sprache im gesamten Taurischen Gouvernement war Ukrainisch. Bis ca. 1900 war die relativ größte Bevölkerungsgruppe auf der Krim die heute mehrheitlich proukrainischen Krimtataren. Hier geschieht ahistorisch eine territoriale Gleichsetzung von Russland = Sowjetunion (UdSSR).

Zur Darstellung dieses Sachverhalts in der Dokumentation die Historikerin Veronika Wendland: „Fakt ist: die Angliederung der Krim war kein voluntaristischer Schenkungsakt Chruscevs, sondern ein kollektiver Beschluss des Ministerrats der UdSSR vor dem Hintergrund der in dieser Zeit, Mitte der 1950er, gerade anlaufenden Planung für große Vernetzungsprojekte auf dem Gebiet der Energie- und Wasserversorgung (in derselben Zeit wurden auch die ersten grenzüberschreitenden Höchstspannungsverbindungen nach Ostmitteleuropa geplant, Pipelineprojekte und Kanalbau folgten). Im Vordergrund stand das Ziel, die durch Krieg UND DEPORTATIONEN angestammter landwirtschaftlicher (vor allem Bewässerungs-)Spezialisten ruinierte Krim-Wirtschaft wieder aufzubauen, die Krim an überregionale Stromversorgung und Wasserwirtschaft anzuschließen. Da all diese Vorhaben ans ukrainische Festland gebunden waren und ukrainische Verwaltungseinheiten und Branchenorganisationen, Bautrusts damit befasst waren, erschien Moskau nur zu plausibel, die Krim auch administrativ der Ukraine anzugliedern.

Das wurde historisch verbrämt mit dem Schenkungsmythos und dem Jubiläum der „Wiedervereinigung“ der westukrainischen Länder mit der Sowjetukraine 1954, was manche Historiker übrigens zu dem Schluss kommen ließ, die Krim sei der Ukraine ganz bewusst als (NACH den ethnischen Säuberungen gegen Krimtataren und -deutsche) als ethnisch-russisches Gegengewicht zu den neu hinzugekommenen westukrainischen Gebieten „injiziert“ worden, um den befürchteten Zuwachs an Anhängern des ukrainischen Nationalismus einzuhegen. Dieser Lesart kann man in Kenntnis der retardierenden Rolle der Krim bei ukrainischen Parlamentswahlen nach 1991 durchaus etwas abgewinnen, ist aber durch Quellenzeugnisse mW nicht gedeckt. Vielleicht war es ein Kollateralnutzen, den die sowjetische Führung mitnahm.

Das Infrastrukturmoment dürfte das dominierende Moment bei der Entscheidung gewesen sein. Diese Entwicklung wurde ganz konsistent verfolgt und resultierte in der Anbindung der Krim an ein von der Ukraine aus geführtes Kanalnetz zur Bereitstellung von Trinkwasser und in der elektrotechnischen Versorgung durch ukrainische Großkraftwerke (Dnepr-Kaskade, Kohlekraft Zentralukraine, später Kernenergie). Vor der Annexion wurde die Krim größtenteils aus den Kernkraftwerken Zaporizhzhja und Südukraine mit Strom versorgt.

Hintergrundgrafiken

Die in der Dokumentation benutzten Hintergrundgrafiken sind teils irreführend, teils widersprechen sie den internationalen Abkommen, wonach die Krim nach wie vor völkerrechtlich ukrainisches Staatsgebiet ist. Auch hier wird scheinbar nebenbei eine „russische Krim“ suggeriert.

„Auf der anderen Seite- das russische Festland.“

Der Satz suggeriert, dass es sich bei der hiesigen Seite dem Standort des TV-Teams um eine russische Insel handeln würde. Dies ist nicht der Fall. In der Einleitung heißt es: „Seit 2014 ist die Krim wieder unter der Kontrolle von Russland. Die meisten westlichen Staaten betrachten das als Annexion. Viele Russen hier auf der Krim sehen das anders. (Und die Politik scheint sehr weit entfernt …)“ Gerade diese verniedlichenden Formen der Darstellung sind es, womit Russland im westlichen Ausland gezielt den Eindruck zu erwecken sucht, dass es sich bei der Bewertung der Krim-Annexion eigentlich nur um eine „Frage des Standpunktes“ handle – und überhaupt seien die Menschen dort doch alle sehr glücklich mit den neuen Zuständen. Wir möchten dazu gern auf die offizielle Formulierung des deutschen Auswärtigen Amtes zu diesem Thema verweisen, die hier keinen Spielraum lässt:

Die Krim gehört völkerrechtlich weiterhin zur Ukraine, wird aber derzeit faktisch von Russland kontrolliert.

Kreuzfahrten, Pauschalreisen sowie weitere Tourismusdienstleistungen auf der Krim unterliegen den Sanktionen nach EU-Verordnung 692/2014, die in Deutschland nach AWG Gesetzesrang besitzt. Zuwiderhandlung / Verletzung dieser Verordnung stellt eine Straftat dar.

Über Territorien der Russländischen Föderation kein Zutritt für EU-Bürger*innen

Im weiteren Verlauf zeigt der Film sonnige Strände, glückliche Menschen, kurzum, eine Hochglanzbroschüre für Urlaub auf der Krim. Mit keinem Wort wird in dem Film erwähnt, dass ein Besuch der Krim von Russland aus illegal ist. Hierzu wieder das deutsche Auswärtige Amt: „Die Ein- und Ausreise von Ausländern und Staatenlosen auf die Krim und in die nicht unter ukrainischer Kontrolle befindlichen Gebiete der Ostukraine ist nur über einen regulären ukrainischen Grenzübergang zulässig. Eine anderweitige Einreise auf die Krim oder in diese Gebiete (z.B. über Russland) ohne vorheriges Passieren eines ukrainischen Grenzübergangs ist strafbar.“

In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass jederart Beziehungen zu einer auf den temporär besetzten Gebieten der Republik Ukraine tätigen Institution mit der von Deutschland und der EU eingehaltenen Nichtanerkennungspolitik gegenüber der Krim-Annexion im Widerspruch stehen und eine bewusste Missachtung des Völkerrechts darstellen.

Dies folgt unter anderem aus den Resolutionen der UN-Generalversammlung 68/262 „Territoriale Integrität der Ukraine“ vom 27.3.2014; 71/205 vom 19.12.2016; 72/190 vom 19.12.2017; 73/194 vom 17.12.2018 und 73/263 vom 22.12.2018 sowie 74/168 vom 18. Dezember 2019. All diese Resolutionen werden von Deutschland unterstützt. Die Annektion verstößt auch gegen die Charta von Paris (für ein neues Europa) von 1990 und natürlich das Truppenstationierungsabkommen für die Krim zwischen der Ukraine und Russland.

Bis heute missachtet der Besatzerstaat Russländische Föderation weiterhin bewusst die UN-Charta, die oben erwähnten zahlreichen Resolutionen der UN-Generalversammlung zur territorialen Integrität der Ukraine und zur Lage der Menschenrechte auf der besetzten Krim, die KSZE-Schlussakte von Helsinki 1975, das Memorandum über Sicherheitsgarantien im Zusammenhang mit dem Beitritt der Ukraine zum Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen von 1994 (Budapester Memorandum), seine Verpflichtungen gemäß dem Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Ukraine und der Russländischen Föderation von 1997 und weitere Regeln des Völkerrechts. All diese grundlegenden Dokumente werden ausdrücklich von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt.

Daneben verstößt eine illegale Einreise und Ausreise auf/von der Krim gegen die ukrainischen Rechtsnormen, die die Einreise in die vorübergehend besetzten Gebiete betreffen, was durch die Verordnung des Ministerkabinetts der Ukraine Nr. 367 vom 4. Juno 2015 „Über das Inkrafttreten der Regeln zur Ein- und Ausreise in und aus den vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine“ bestimmt wird. Laut dieser Verordnung ist die Einreise auf die Krim ausschließlich über bestimmte Übergänge mit einer Sondergenehmigung des ukrainischen Migrationsamtes erlaubt. Auch eine Einreise auf die Krim über das Hoheitsgebiet der Russländischen Föderation stellt einen Verstoß gegen diese Gesetze dar, wogegen das Filmteam – selbst dokumentiert – verstoßen hat. Ausländische Staatsangehörige, die den Regeln zur Einreise auf die Krim zuwiderhandeln, tragen dafür eine administrative sowie strafrechtliche Verantwortung.

Die Sender-Ankündigung von arte Neuerdings ist die Krim mit dem russischen Festland durch eine Brücke verbunden. Seit der Annexion der Krim durch Russland ist die größte Halbinsel, wie schon oft in der Geschichte, Zankapfel politischer Mächte. Sewastopol war bis 1991 militärischer Sperrbezirk, heute blicken die Menschen dort zaghaft hoffnungsvoll in die Zukunft.[1] verharmlost ebenfalls die Annexion. Mit dieser Zankapfel-„Äquidistanz“ soll der Eindruck erweckt werden, dass die Dokumentation gleich weit von der annektierenden Partei Russland wie auch von der leidtragenden Partei Ukraine entfernt sei – unter Missachtung aller oben aufgeführten Verstöße seitens der Russländischen Föderation gegen Völkerrecht und Menschenrechte[2].

Wenn auch kein Nachrichtenstück, so handelt es sich doch bei dieser „Dokumentation“ auch nicht um einen Kommentar, eine Meinung. Als Dokumentation sollte er der sachgerechten und wahrheitstreuen Information der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dienen. Diese ist insofern nicht gegeben, als dass nicht sorgfältig herausgearbeitet wird, dass die Krim heute nicht Teil der Russländischen Föderation ist, obwohl an verschiedenen Stellen (siehe oben) die geeigneten Ansatzpunkte dazu gegeben wären. Die Ansatzpunkte werden jedoch nicht zu einer zutreffenden Darstellung genutzt. Der Beitrag entspricht somit nicht der journalistischen Sorgfaltspflicht, die die Autorin hätte walten lassen müssen. In dieser Form widerspricht „Das Schwarze Meer – Russland“ daher nicht nur der völkerrechtlichen Situation sondern auch den Programmgrundsätzen von ARD, ZDF und ARTE.

Die Folge über „Russland“ (und faktisch die besetzte Krim) ist in der ausgestrahlten Fassung quasi eine PR-Aktion für die Annexion der Krim, in der die Tatsache der Annexion zur „Meinungssache“ erklärt und durch das Zeigen glücklicher Menschen und landschaftlicher Schönheit latent dazu ermuntert wird, die „Politik beiseite zu lassen“ und vielleicht sogar durch illegale Einreise über Russland eine Straftat zu begehen.

Fachberatung

Bei etwaigen Fragen bezüglich politisch-historischer Einordnungen stehen ihnen aus unserem Kreise gern zur Verfügung zum Thema Vertriebene / IDPs und Geflüchtete von der Krim Frau Prof. Dr. Oksana Mikheieva von der Katholischen Universität Lwiw, Frau Dr. Susann Worschech von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt sowie Her Prof. Dr. Umland von der Universität Jena und diverse weitere Ukraine-Expert*innen.

Als öffentlich-rechtlicher Sender haben Zuschauer an Sie besondere Qualitätsansprüche, denen Sie ja zum Glück in meist auch gerecht werden. Leider ist dies hier eine unrühmliche Ausnahme. Auch, wenn es aus ganz praktischen Gründen vermutlich für die heutige Wiederholung bereits zu spät dazu ist, fordern wir dringend eine Absetzung besagter Sendung am 28. März 2020 sowie die Streichung jeglicher entsprechender Wiederholungen. Wir bitten um eine Stellungnahme seitens Ihres Senders bezüglich der genannten Zweifel an der Vereinbarkeit der o.g. Sendung mit dem Sendeauftrag und den Richtlinien des ZDF unter Bezugnahme auf § 21 (3) der Satzung des ZDF.

[1] https://programm.ard.de/TV/arte/das-schwarze-meer/eid_287242711312402?list=now
[2] Siehe hierzu unter anderem Entschließung des Europäischen Parlaments vom 4. Februar 2016 zur Lage der Menschenrechte auf der Krim, insbesondere in Bezug auf die Krimtataren (2016/2556(RSP))(2018/C 035/08) https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52016IP0043&from=FR

Hierunser Brief als pdf

Crimean Ukrainian Flags ICATAT

Siehe auch:  http://www.narodny-fast-food.de/2020/03/einspruch-die-krim-ist-nicht-russlands.html  sowie auf http://www.icatat.de
Und auf Facebook: https://www.facebook.com/events/149200686387608/ (wird ständig ergänzt)

Das Literaturhaus Magdeburg und das ICATAT heißen die tatarische Bestseller-Autorin Gusel Jachina herzlich willkommen! Räxim itegez!Jachina_Plakat_MD-Okt_2019lkj.jpg

 

DIE tatarische Bestseller-Autorin Gusel Jachina stellt ihr neues Buch im Magdeburger KreativZentrum vor.

„Ihr Buch mit dem deutschen Titel „Wolgakinder“ (Original „Deti moi“ = „Meine Kinder“) ist das zweite Buch der Erfolgsautorin. In ihm begibt sie sich auf die Spuren der Wolgadeutschen. „Ich stamme selbst aus Kasan, der Stadt an der Wolga“, erzählt sie. An der Kasaner Universität studierte sie Germanistik, absolvierte ein Auslandssemester in Bonn. „Ich interessiere mich für die deutsche Kultur und Sprache, habe viel mit deutschen Kollegen zusammengearbeitet. Daher wollte ich etwas über die Deutschen machen“, so Jachina.

In ihrem Debütroman „Suleika öffnet die Augen“, der 2015 erschien, zeichnet sie das Leben ihrer tatarischen Großmutter nach, die 1930 im Rahmen der Entkulakisierung nach Sibirien deportiert wurde. Suleika ist von ihrem Ehemann schwanger, der jedoch noch vor Beginn der Deportation von einem Soldaten im Wald getötet worden war. In einem Arbeitslager an der Angara bringt sie das Kind zur Welt. Nach einer langen Zeit der Enthaltsamkeit beginnt sie in dem Lager schließlich eine Liebesbeziehung mit dem Mörder ihres Mannes.

Zwei Väter

Auch „Wolgakinder“ ist ein historischer Roman, der die Situation in der Wolgarepublik im Zeitraum 1916 bis 1938 beschreibt. Der Lehrer Bach, zu Beginn des Romans etwa 30 Jahre alt, hat eine tragische Liebschaft mit einer jungen Frau. Ein neugeborenes Mädchen, von dem er nicht genau weiß, ob es seine eigene Tochter ist, zieht er alleine auf. Eines Tages taucht auf seinem Bauernhof ein kasachischer Waisenjunge auf.  Bach wird auch für ihn zu einem Ziehvater.

Die Geschichte erzählt von zwei Vätern: der Hauptheld mit seinen beiden Pflegekindern und Stalin, der ‚Vater der Völker‘ genannt wurde“, sagt Jachina. Es geht um die Beziehung Stalins zu den verschiedenen Volksgruppen, aber auch der Völker untereinander. „Die Wolgarepublik befand sich an der Grenze zum heutigen Kasachstan. Nomaden überfielen die deutschen Kolonisten häufig. Die Kasachen hielten das Gebiet der Wolgarepublik für ihr Land.“ (Deutsche Allgemeine Zeitung, Almaty, Kasachstan)

Gelesen werden Passagen aus „Wolgakinder“ auf deutsch von Annabelle Leip. Rahmung, Moderation und Diskussion mit Gusel Jachina / Guzel Yakhina übernehmen Sarah Thäger (Literaturhaus Magdeburg) und Dr. Mieste Hotopp-Riecke (ICATAT) sowie Enver Ibrahimogli (Saxophon).

Eine Koproduktion mit Unterstützung der .lkj) Sachsen-Anhalt e.V., des Fördervereins der Schriftsteller, von Meridian e.V., der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland sowie Tatarlar Deutschland e.V. und der Gesellschaft für OSTEUROPA-FÖRDERUNG e.V. u.a.

Einen Beitrag von Deutschlandfunk Kultur hören Sie hier und einen Beitrag des ZDF von der Buchmesse Frankfurt „Auf dem Blauen Sofa“.

 

(an der Ernst-Moritz-Arndt-Univesität Greifswald), Thema:

„The Hidden Orient. Deutsch-tatarische Lebenswelten zwischen Wolga, Dobrudscha und Baltikum“

Im Rahmen des jährlichen Hiddensee-Colloquiums des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (Magdeburg/Berlin) gestalteten, diskutierten, reflektierten Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Autor*innen Themen zwischen Interkulturgeschichte, Kunst und Literatur.

  Arbeitsschwerpunkte 2019 auf Hiddensee waren:

  • Die Denkarbeiten, Interviews und Recherchen für den ICATAT-Hiddensee-Sammelband werden weitergehen: 2020 sind wir zum 10. Mal auf Hiddensee und werden im Henni-Lehmann-Haus, der Inselbibliothek, und im Kurshaus der Biologischen Station das Manuskript unseres Buches präsentieren (Drucklegung und u. Präsentation Buchmesse Leipzig 2021). Weitere Ideenfindung für Buchpräsentation in Tatarstan und Polen anläßlich 10. Jubiläum des Protokolls von Hiddensee der internationalen Forschungsgruppe „Tatars, Germans and European Identity“ vom 2.-9. Juli 2011, Biologische Station Hiddensee, mitunterzeichnet von Kollegen aus Polen, der Russländischen Föderation / Republik Tatarstan und der Ukraine / Republik Krim).
  • Rückblick und Evaluation zur ICATAT-Bildungsreise „Rumänien – Eine Wiege des Islam in Europa“. Aus unserer diesjährigen erfolgreichen Bildungsreise resultieren zwei neue Kooperationsverträge: 1. Mit dem Institut für Turkologie u. Zentralasien-Studien der Babeş-Bolyai-Universität von Klausenburg (Cluj-Napoca), 2. mit der Assoziation “ANTICUS“ Constanta.
  • Planung und Recherchen zur ICATAT-Bildungsreise 2020 „Mare Balticum Tataricae“. Auf dieser Bildungsreise führt uns 2020 der Weg auf den Spuren der Preußen und Tataren von Danzig über Königsberg, Memel, Troki, Vilnius und Riga nach Tallin (Zu Gast bei: Tatarische Moschee-Gemeinde & Bibliothek Danzig; Redaktion „Życie tatarskie (Tatarisches Leben)“ in Bohoniki/Kruszyniany; Tatarisches Kulturzentrum „NUR“, Klajpeda; Karaimische Gemeinde Trakaj; Imam der Moschee Kaunas; Tatarisch-Baschkirische Assoziation „Idel“, Riga; Vereinigung der Deutschen Estlands; Tatarisches Kulturzentrum YULDUZ Tallin, v.a.m.).
  • Letzte Korrekturarbeiten, Planung Lesungen & Vertrieb unseres aktuellen Buches in Kooperation mit der Landesvereinigung kulturelle Kinder- u. Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. „Der Pascha von Magdeburg. Der Orient in Mitteldeutschland“.
  • Beteiligung als institutionelles Mitglied der Gesellschaft für Turkologie, Osmanistik und Türkeikunde (GTOT) an deren Mitgliederversammlung am Afrika-Asien-Institut der Universität Hamburg, 7. September 2019.
  • Planung der ICATAT-Buchpräsentationen im Roten Rathaus Berlin in Kooperation mit der Gesellschaft für Osteuropa-Förderung, der GTOT, der Akademie der Wissenschaften Tatarstans und dem Institut für Turkologie der Freien Universität Berlin (I./II. Quartal 2020).

Studienreise „Rumänien – Eine Wiege des Islam in Europa“
Von den Deutschen in Transsylvanien zu den Tataren der Dobrudscha.

Islam? In Rumänien? Was für die meisten Menschen relativ exotisch klingt, werden wir als bildungshungrige Reisende vor Ort kennenlernen. Die ICATAT-Bildungsreise führt uns in die Republik Rumänien mit einem besonderen Fokus: Wir bereisen das Land auf den Spuren der Vielfalt, der nationalen und religiösen Minderheiten. Die Ungarn, die Roma, Juden und Deutschen in Siebenbürgen als auch die Lipowaner, Tataren, Gagausen und Türken in der Dobrudscha führen uns durch ihre Kultur und Geschichte.
Die wunderschönen Städte Cluj/Klausenburg, Sibiu/Hermannstadt und Braşov/Kronstadt mit ihrem architektonischen Kulturerbe bereisen wir ebenso wie die Hochburgen des Islam in der Dobrudscha: In Medgidia und Constanta/Köstence besuchen wir mit Politikern und Schriftstellern der Dobrudscha-Tataren und Türken Moscheen, Koran-Schulen und Kulturhäuser.
Reiseabschluss bilden ein Bad im Schwarzen Meer und ein deutsch-rumänisch-tatarisches Kulturfestival in der Hauptstadt der Dobrudscha, Constanta/Köstence. Die internationale Theatergruppe „Esperantos.eu“ fährt auf einem selbstgebauten Theater-Katamaran von Berlin über Havel, Elbe und Donau ans Schwarze Meer. Wir feiern mit ihnen den Abschluß unserer und ihrer Reise zusammen mit Vertretern der Gemeinden der Dobrudscha-Deutschen, der Tataren und Gagausen.

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Reiseleiter ist der Turkologe/Islamwissenschaftler Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Leiter des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien Berlin-Magdeburg.
UNKOSTENBEITRAG / ICATAT-Spende für Flug/Unterkunft/Halbpension/Binnentransfer + Reiseleitung + Reise-Reader: 1250,00 €, Mindest-Gruppenstärke: minimum 10 Pers. TERMIN 28.Mai -03. Juno 2019 (Abflüge ab Berlin/München). Anmeldung unter: office@icatat.de Fachreferenten, Führer und Experten unterwegs vor Ort sind: Dr. Adina Fodor & Prof. Dr. Tahsin Cemil Inst. f. Turkologie Universität Klausenburg, Dr. Frank Ziegler, Kustos der Sammlung des Brukenthal-Museums Hermannstadt; Prof. Dr. Vasile Olteanu, (rumänisch-orthodoxer Geistlicher); Dr. Taner Murat, Publizist/Lyriker, Vorstand der multikulturellen Assoziation „Anticus“, Constanta; Beatrice Ungar, Chefredakteurin Hermannstädter Zeitung; Dr. Aledin Amet, Staatssekretär im Departement für interethnische Beziehungen des rumänischen Parlamentes / Abgeordneter der „Demokratischen Assoziation der muslimischen Türk-Tataren Rumäniens“ im rumänischen Parlament (angfr.). Alle Informationen hier.

 

Willkommen zu einem mehrsprachigen Lese- und Hörgenuss. „Texte.Färben.Heimat“, die „Zweiheimisch-Bibliothek“ und „Eigene Spuren suchen“ sind Projekte bei der .lkj) Sachsen-Anhalt e.V. (Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung) in Kooperation mit dem ICATAT. Es geht ums Bücherschreiben, um alte und neue Interkulturgeschichte(n) in über 20 Sprachen. Vorgestellt werden Bücher und Gedichte auf tatarisch, deutsch, kurdisch, arabisch, türkisch sowie Werke der Illustratorinnen / Künstlerinnen Iman Shaaban und Masoumeh Ahmadi. UND: Woher kamen all diese Bücher, wer brachte sie warum hierher nach Magdeburg? Die „Zweiheimisch-Bibliothek“ soll als vielsprachiges Kleinod Magdeburgs Bibliothekslandschaft bunter machen. Musikalisch gerahmt von Enver Ibrahimoğlı (Saxophon) und Mojtaba Faghihi (Daf). Es lesen Dzhemile Umerova, Ammar Awaniy, Ramazan Eskin und Dr. Mieste Hotopp-Riecke.

wir laden ein

20. Februar 2019, 17-18.30 Uhr, Zentralbibliothek Magdeburg, Breiter Weg, Eintritt frei

Das ICATAT beendete erfolgreich Teilnahme an Konferenzen und Netzwerktreffen in der Republik Tatarstan. ICATAT успешно завершил участие в конференциях и сетевых встречах в Республике Татарстан.

In der Hauptstadt Tatarstans wurde vier Tage lang diskutiert, analysiert und auf Projektwerkstätten neue Kooperationsvorhaben besprochen. Anlässlich des 102. Geburtstages des tatarischen Nationaldichters Musa Dshalil, der in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde, führte das Musa-Dshalil-Museum eine zweitägige Konferenz in Kasan und Yar Çallı durch. Am 20.-22. September dann fand an der Akademie der Wissenschaften der Republik Tatarstan ein Konferenz statt anlässlich des 200. Geburtstages von Schihabutdin Mardschani, einem der wichtigsten Gelehrten und Reformer der tatarischen Welt. Das ICATAT war unter anderem vertreten mit Beiträgen zu Archivmaterialien und neuen Forschungsergebnissen als Basis für kulturelle Jugendbildungsprojekte. Zusammen mit unseren Partnern vom Mardschani-Institut für Geschichte, vom National-Museum Tatarstans, vom Museum Europäischer Kulturen Berlin, der Kasaner Föderalen Universität, dem Näbi-Däüli sowie dem Musa-Dshalil-Museum wurden kommende Möglichkeiten der Kooperation eruiert. Die Beispiele aus Sachsen-Anhalt, Kooperationen zwischen ICATAT und der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung (lkj) fanden großes Interesse unter anderem bei Schüler*innen und Pädagog*innen aus Tatarstan.

В столице Татарстана обсуждались четыре дня, анализировались и обсуждались на проектных семинарах новые проекты сотрудничества. По случаю 102-й годовщины национального татарского поэта Мусы Джалиля, который был казнен в Берлине-Plötzensee, Мусы Джалиля-музей провел двухдневную конференцию в Казани и Яра Чаллы. На 20.-22. cентябрь затем конференция по случаю 200-й годовщины Шихабутдина Марджaни состоялся в Академии наук Республики Татарстан, один из самых важных ученых и реформаторов татарского мира. ICATAT была представлена, среди прочего, вкладом в архивные материалы и новыми результатами исследований в качестве основы для проектов в области образования и в области культуры. Были изучены возможности для сотрудничества с нашими партнерами из Институтом истории им. Марджани, Национальным музеем Татарстана, Музеем европейских культур Берлина, Казанским федеральным университетом, Нәби Дәүли и Муса-Дшалиль-Музеем. Примеры из Саксонии-Ангальт, сотрудничество между ICATAT и Национальной ассоциацией детей и молодежи в области культуры (lkj), встретили большой интерес, среди прочего, среди учеников и учителей из Татарстана.

soiree-fb.jpgPoetisch-musikalische Soirée im Henni-Lehmann-Haus auf Hiddensee

Im Rahmen des jährlichen Hiddensee-Colloquiums des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (Magdeburg/Berlin) gestalten Künstler, Autoren und Wissenschaftler am Sonntag, d. 5. August ab 18:30 Uhr einen Hauptmann-Abend der besonderen Art: Lesungen und Referate wechseln mit Liedern und Melodien zum Thema Gerhart Hauptmann und der Orient.

Wenn ich könnte, würde ich Ihnen, Meister, den allerschönsten Rosengarten Allah´s zu Füßen legen.“ Diese Zeilen an Gerhart Hauptmann schrieb die ungarisch-ägyptische Prinzessin und spätere Frauenrechtlerin Djavidan Hanim 1943. Frei nach diesem Motto möchte ein kurzweiliger, abwechslungsreicher Abend nicht ohne Tiefgang und Ehrfurcht vor dem großen Dichter thematisch und geographisch Zugänge suchen, die sich aus interdisziplinären Bereichen zwischen Musikethnologie, Literaturwissenschaft und Turkologie speisen. Aus der schlesischen Sagenwelt kommend über orientalische Frauenpower bis zu türkischen Doktorarbeiten über das Hauptmann-Œuvre reicht das Kaleidoskop von Texten und Liedern, die diesen Abend füllen.

Die schlesische Bergwelt mit ihren dutzenden Tatarenmythen wie „Die Ermordung der Tartarischen Kaiserin zu Neumarkt“ oder „Der Tartarenkopf am Schlosse Ratibor“ hat gewiss die Fantasie vieler Generationen von schlesischen Kindern beflügelt, so womöglich auch die des jungen Gerhart Hauptmann. Die Texte und Lieder streifen diese Sagenwelt und schauen auf die islamisch-deutsche Interkulturgeschichte von Schlesien und Ostpreußen, um sich dann den orientalischen Genüssen in der Gastronomie, Kultur und Mode sowie den Exotismen in Werken der literarischen Bohéme zuzuwenden. Mit der Modewelle á la Turca einhergehend konvertierten erste Deutsche zum Islam. Auch Gerhart Hauptmann äußerte Gedanken, zum Islam überzutreten, ließ sich von Koran-Suren inspirieren und pflegte Briefwechsel mit arabischen Intellektuellen. Woher stammt Hauptmanns handgeschriebener Koran, für den sich 70 Jahre lang niemand interessierte? Wer waren Harut und Marut? Diese Fragen und andere Überlegungen, seine spätere Bekanntschaft mit der ungarisch-ägyptischen Prinzessin Djavidan Hanum, seine Begeisterung für den aserbaidschanischen Weltenwandler Essad Bey und alle weiteren Themen des Abends werden aufgelockert / illustriert mit thematisch relevanten Musikeinheiten aus deutscher, tatarischer und türkischer Klassik sowie Gedichten aus dem Umfeld von Hauptmann und vom großen Dichter selbst.

plakat hauptmann soirée

Den Abend gestalten Dr. Mieste Hotopp-Riecke als Kurator (Turkologe, Leiter des ICATAT) sowie Ildar Kharissov (Musikethnologe, ICATAT),  Marion Magas (Autorin, Kulturwissenschaftlerin, Hiddensee),  Henry Mertens (Licht-Designer/Filmemacher/Bildgestalter; Hochschule Anhalt, Dessau; ICATAT-Fellow) und Carsten Bürger (Bildhauer, Fotograf; Dresden). Eine Pressemitteilung und Info-Flyer finden sich hier als PDF-Datei zum download.

Für Nachfragen steht Herr Dr. Mieste Hotopp-Riecke zur Verfügung: 01573 1758823

Termin: So., 05.08.2018, 18:30 Uhr

Montag, 02. Juli  2018

Lesung, Führungen und Vorträge anlässlich Finissage in der Otto-von-Guericke-Universitätsbibliothek

Im Rahmen der Ausstellungs-Finissage Jenseits des Tatarenturms / Beyond the Tartaros findet am 2. Juli 19:30 eine Lesung statt mit Stefan Weidner und seinem Buch „Jenseits des Westens“. Dem voran gehen Ausstellungsführungen und Vorträge. Der Tatarenturm von Magdeburg steht für die Angst vor den Fremden, vor „Ungläubigen“ aus dem Osten. Doch kurze Interkulturgeschichten und Exponate illustrieren auch die befruchtenden Facetten von Kunst, Wissenschaft und Alltag zwischen dem Orient und Mitteldeutschland.

Ein besonderer Gast der Finissage ist Stefan Weidner. Mit seinem neuen Buch „Jenseits des Westens“ plädiert Stefan Weidner für das Ende der Spaltung der Weltgemeinschaften in Ost und West, Nord und Süd und für ein neues kosmopolitisches Denken. „Wir waren es gewohnt, dass Europa und Nordamerika die Welt dominieren. In Zeiten der Globalisierung melden nun andere Großmächte politische und wirtschaftliche Ansprüche an und stellen die „westliche“ Weltdeutung in Frage. Fortschritt, Säkularisierung, Liberalismus: Warum sollten diese Prinzipien unserer Ideengeschichte für den ganzen Globus gelten?“. Stefan Weidner ist ein Anhänger der Aufklärung. Gerade deshalb plädiert er dafür, Weltentwürfe aus Arabien, Afrika oder China ernst zu nehmen. Der „Westen“ darf nicht glauben, die ganze Welt werde früher oder später seine Vorstellungen übernehmen. „Wir brauchen ein kosmopolitisches Denken, das die Vorstellung kultureller Überlegenheit überwindet.“ so Weidner.

Ganz in diesem Sinne ist auch die kompakte Ausstellung in der Universitätsbibliothek konzipiert: Sie zeigt anhand von Büchern, Garderobe, Fotos und Postkarten wie eng und wie lange schon Muslime und Mitteldeutschland bzw. „der Orient“ und deutschsprachige Gebiete in interkulturellem Austausch stehen. Der „Star“ unter den Exponaten ist ein von tatarischen Kriegsgefangenen geschnitzter Kronleuchter von 1916. Der Magdeburger Otto Stiehl war ein Kommandant dieses Kriegsgefangenenlagers für Muslime.

In Kooperation mit der .lkj) – Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt  e.V. und dem Brandenburg-Preußen Museum entsteht im Schuljahr 2018/19 das Interkulturlesebuch „Der Pascha von Magdeburg“ mit vielen Lese-Mosaiksteinchen – auch zu etlichen Exponaten der Ausstellung in Magdeburg. Bei diesen Arbeiten steht vor allem das gemeinsame Lernen und Arbeiten von Zugezogenen und Alteingesessenen im Fokus – regional, national und international.

Der Historiker und Hispanist Dr. Stephan Theilig und Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Turkologe, Referent für Interkulturgeschichte bei der .lkj) und Leiter des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT) stellen in Führungen durch die Ausstellung sowie zwei Vorträgen die sehr unterschiedlichen Facetten deutsch-islamischer Interkulturgeschichte vor, von den Muslimen in der preußischen Armee bis zu Lederkunst tatarischer Migrant*innen im 21. Jahrhundert. Die mit viel Engagement, ehrenamtlicher Arbeit und Liebe zum Detail entstanden ICATAT-Buchprodukte fordern auf zu Einmischung und Teilhabe und werden im Rahmen der Finissage feierlich der Universitätsbibliothek übergeben.

Für Nachfragen steht Herr Dr. Mieste Hotopp-Riecke zur Verfügung: 01573 1758875

Stefan Weidner zu seinem neuen Buch in der ARD-Sendung „titel, thesen, temperamente“  hier abrufbar.

Termin:
Mo., 02.07.2018,
17:00 – 18:00 Uhr Führungen durch die Ausstellung „Beyond the Tartaros“ mit Dr. Stephan Theilig.
18:00 – 19:00 Uhr Vorträge mit Dr. Mieste Hotopp-Riecke und Dr. Stephan Theilig.
„Die preußisch-muslimischen Soldaten und ihre Offiziere aus/in Magdeburg“
„Musa Dshalil – Tatarischer Widerstand im Mitteldeutschland des II. Welkrieges“
19:30 – 21:00 Uhr Lesung und Diskussion mit Stefan Weidner und seinem neuen Buch „Jenseits des Westens“.

Finissage-Ankündigung des Magazins „Interface“ des Offenen Kanals Magdeburg.

Wir danken der Otto-von-Guericke-Universitätsbibliothek, dem Brandenburg-Preußen-Museum und der Universitätsbuchhandlung „Otto von Guericke“ für die Unterstützung. Unsere Pressemitteilung und das Plakat zur Finissage finden sie hier zum download.

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Elbe Kurier

Studienreise „Rumänien – Eine Wiege des Islam in Europa“
Von den Deutschen in Transsylvanien zu den Tataren der Dobrudscha.

Islam? In Rumänien? Was für die meisten Menschen relativ exotisch klingt, werden wir als bildungshungrige Reisende vor Ort kennenlernen. Die ICATAT-Bildungsreise führt uns in die Republik Rumänien mit einem besonderen Fokus: Wir bereisen das Land auf den Spuren der Vielfalt, der nationalen und religiösen Minderheiten. Die Ungarn, die Roma, Juden und Deutschen in Siebenbürgen als auch die Lipowaner, Tataren, Gagausen und Türken in der Dobrudscha führen uns durch ihre Kultur und Geschichte.
Die wunderschönen Städte Cluj/Klausenburg, Sibiu/Hermannstadt und Braşov/Kronstadt mit ihrem architektonischen Kulturerbe bereisen wir ebenso wie die Hochburgen des Islam in der Dobrudscha: In Medgidia und Constanta/Köstence besuchen wir mit Politikern und Schriftstellern der Dobrudscha-Tataren und Türken Moscheen, Koran-Schulen und Kulturhäuser.
Reiseabschluss bilden ein Bad im Schwarzen Meer und ein deutsch-rumänisch-tatarisches Kulturfestival in der Hauptstadt der Dobrudscha, Constanta/Köstence. Die internationale Theatergruppe „Esperantos.eu“ fährt auf einem selbstgebauten Theater-Katamaran von Berlin über Havel, Elbe und Donau ans Schwarze Meer. Wir feiern mit ihnen den Abschluß unserer und ihrer Reise zusammen mit Vertretern der Gemeinden der Dobrudscha-Deutschen, der Tataren und Gagausen.
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Reiseleiter ist der Turkologe/Islamwissenschaftler Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Direktor des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien Berlin-Magdeburg.
UNKOSTENBEITRAG / ICATAT-Spende für Flug/Unterkunft/Halbpension/Binnentransfer + Reiseleitung + Reise-Reader: 1250,00 €, Mindest-Gruppenstärke: minimum 10 Pers. TERMIN 11.-17. August 2018 (Abflüge ab Berlin/München). Anmeldung unter: office@icatat.de Fachreferenten, Führer und Experten unterwegs vor Ort sind: Dr. Adina Fodor & Prof. Dr. Tahsin Cemil Inst. f. Turkologie Universität Klausenburg, Dr. Frank Ziegler, Kustos der Sammlung des Brukenthal-Museums Hermannstadt; Prof. Dr. Vasile Olteanu, (rumänisch-orthodoxer Geistlicher); Dr. Taner Murat, Publizist/Lyriker, Vorstand der multikulturellen Assoziation „Anticus“, Constanta; Beatrice Ungar, Chefredakteurin Hermannstädter Zeitung; Dr. Aledin Amet, Staatssekretär im Departement für interethnische Beziehungen des rumänischen Parlamentes / Abgeordneter der „Demokratischen Assoziation der muslimischen Türk-Tataren Rumäniens“ im rumänischen Parlament (angfr.). Alle Informationen hier.