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Paschas, Kaiser und Sultanin

Eine monarchisch-anekdotische Lesereise bei Mokka und Muckefuck zwischen Altmark und Orient.

Die Texte dieser Lesungen sind ein staunender Blick der Begeisterung zurück in die interkulturelle Geschichte Mitteldeutschlands, deren inspirierende, aufregende Vielfalt sich in der Gegenwart unserer Heimat spiegelt. In Schlössern und Herrensitzen, in Geschichten aus der Geschichte und Gegenwart präsentieren die literarischen Streifzüge der drei Autoren in vier Büchern zwischen Arabien, Al Andalus und Brandenburg-Preußen, zwischen Turkestan und der Altmark schillernde Kalenderblätter aus dem Alltag der Beziehungen zwischen den Herrscherinnen und Herrschern von Bosporus bis Kattegat.

Wie kamen osmanische Stühle in das altmärkische Jagdschloss der Hohenzollern und wie wurde ein Diesdorfer zum König Albaniens? Warum singen albanische Folklore-Stars Balladen über den Pascha von Magdeburg und weshalb wurde „Dr. Dralles Haarwasser“ an den Bosporus exportiert? Zwischen höfischer Etikette, Kunst, Wissenschaft und europäischem Hochadel, zwischen Alltagskultur und akademischer Analyse entdecken wir funkelnde verborgene Mosaiksteine zwischen Deutschland und dem Orient – Auf den Spuren von Paschas, Kaisern und Sultanen. Auch die Geschlechter von Alvensleben, von Bismarck, von Kröchern, von Jagow, von Katte und von der Schulenburg und ihre Orientbezüge werden thematisiert.

Die Region Mitteldeutschland insgesamt trägt eine historische interkulturelle Vielfalt mit sich – nicht nur bezüglich unseres slawisch-deutschen Erbes, sondern auch bezüglich der Kontakte zwischen unserer Heimatregion und dem Orient, sei es die Levante, der islamische Osten Europas oder das alte Al Andalus: Beginnend mit Besuchen des islamischen Gelehrten Ibrāhīm ibn Yaʿqūb im 10. Jahrhundert bei Kaiser Otto I. bis zu dem 1728 etablierten Institutum Judaicum et Muhammedicum in Halle unter Johann Heinrich Callenberg (1694-1760) existiert eine lange Tradition von Austausch, von Wissenstransfer und Diplomatie mit dem islamischen Süden und Osten Europas. Unter anderem studierte in dieser Tradition an den Franckeschen Stiftungen Hans Hermann von Katte, ein Urahn unseres Lesereise-Schirmherren Dr. Christoph von Katte.


Der Historiker Thomas Weiberg beschreibt in seinem Buch „Sultan & Kaiser“ minutiös die persönliche Begegnung Abdül Hamids II. und Wilhelms II. am Bosporus. Unter dem Untertitel „Orientpolitik zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ beleuchtet der gebürtige Seesener die Geschichte einer bemerkenswerten Annäherung, die bislang nicht eben im Fokus der deutschen Forschung stand. Erschienen ist sein Buch im Matrix-Media-Verlag von Prinz Heinrich von Hannover, der die Lesereise begleiten wird.


Termine:

  • 13. Dezember 2022, Bismarcksches Rittergut Briest bei Tangerhütte, Brauhaus, 18.00 Uhr
  • 14. Dezemeber 2022, Kaisersaal des Hohenzollern-Jagdschlosses „Hirschburg“, Letzlingen, 18.00 Uhr
  • 15. Dezember 2022, OLD SCHOOL Institute for contemporary arts and cultural techniques, Havelberg, 18.00 Uhr
Die Autoren Ammar Awaniy, Thomas Weiberg und Dr. Mieste Hotopp-Riecke

Basis des Lese- und Gesprächsabends sind die Bücher und Texte:

  • Weiberg, Thomas: Sultan & Kaiser. Abdül Hamid II. und Wilhelm II. Orientpolitik zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Göttingen: MatrixMedia, 440 S.
  • Hotopp-Riecke, Mieste / Theilig, Stephan (Hrsg.): ZWEIHEIMISCH. Die Erben des Paschas von Magdeburg. Berlin: hirnkost, 296 S.
  • Awaniy, Ammar / Hotopp-Riecke, Mieste: Des Sultans Sessel und ein sprechender Hund. In Sperling, Sibylle (Hrsg.): In the Middle of Nüscht. Go West. Die westliche Altmark entdecken. Berlin: omnino, S. 184-199.
  • Hotopp-Riecke, Mieste (Hrsg.): Der Pascha von Magdeburg. Der Orient in Mitteldeutschland. Magdeburg: ostNordost, 2019, 319 S.
  • Weiberg, Thomas: Der Brunnen des Kaisers und ein Kranz für Sultan Saladin. In Hotopp-Riecke, Mieste / Theilig, Stephan (Hrsg.): ZWEIHEIMISCH. Die Erben des Paschas von Magdeburg. Berlin: hirnkost, 2022, S 188-201.

Die Autoren


Thomas Weiberg, 57,

geboren 1965, lebt in Berlin und ist Historiker. Er hat sich seit langen Jahren immer wieder mit verschiedenen Aspekten der deutsch-osmanischen Beziehungen zwischen 1871 und 1918 beschäftigt. So hat er unter anderem unter dem Titel ›Zwischen Orient und Ostsee‹ die Tagebücher der Großherzogin Elisabeth von Oldenburg, die sie 1902 während ihres Besuches bei Sultan Abdül Hamid II. verfasste, mit ausführlichen Kommentaren versehen herausgegeben und verschiedene Aufsätze zur deutschen Orientpolitik zwischen 1871 und 1914 publiziert. Vor einigen Jahren erschien im Istanbuler Simurg-Verlag das Buch: ›Mein Sultan möge lange leben! Padişahım çok yaşasın! Sultan Abdül Hamid II. und Kaiser Wilhelm II. Eine deutsch-osmanische Freundschaft‹, dessen Grundlage die erstmals vollständig ins Deutsche übersetzten politischen Erinnerungen Sultan Abdül Hamids II. bilden. 2021 ist im MatrixMedia-Verlag sein Buch ›Sultan & Kaiser. Orientpolitik zwischen Wunsch und Wirklichkeit‹ als kombiniertes Buch mit einem gedruckten sowie e-book-Teil herausgegeben worden. Aktuell bereitet er die Herausgabe der Lebenserinnerungen eines Adjutanten des letzten bedeutenden osmanischen Sultans vor.


Dr. Mieste Hotopp-Riecke, 55,

stammt aus einem ehemals slawischen Dorf in der Altmark und reiste schon immer gern – zu DDR-Zeiten in die weite Ferne leider meist nur im Kopf. Als Drucker-Lehrling bereiste er 1986 das erste Mal die UdSSR (Usbekistan, Karakalpakistan) und die Dobrudscha. Seit 1991 bis zur Annexion der Krim 2014 und dem Krieg gegen die Ukraine jährlich einige Male bei tatarischen, kurdischen und türkischen Freunden und Kollegen auf der Krim, in der Dobrudscha, in der Türkei und in Tatarstan kam er über die Liebe zur tatarischen, kurdischen und türkischen Musik und Literatur zu historischen und sozialpolitischen Themen, studierte in Wien, Damaskus, Baku und Simferopol, lebte mit Familie in Samsun, Istanbul und Berlin, wo er auch promovierte am Institut für Turkologie der Freien Universität Berlin („Ikonografie der Angst. Deutsche Tatarenbilder im Wandel: Barbaren, Alliierte, Migranten“). Er ist seit November 2007 Leiter des Institutes für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien Magdeburg/Berlin (ICATAT) und als Mitglied der Orient-Forschungsgesellschaft DAVO initiierte er dort den Arbeitskreis „Postcommunist Eurasia as a part of Islamic world“. Er arbeitet bei der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. als Referent für Interkultur-Geschichte und ehrenamtlich als Vizepräsident der Gesellschaft für OSTEUROPA-FÖRDERUNG, ist Autor von über 200 Publikationen zu Kultur und Geschichte der Tataren und des Euro-Islam. Hotopp-Riecke betreut als Kurator Literatur- und Kultur-Veranstaltungen. Er ist Mitglied im Förderverein der Schriftsteller, bei der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft und Project Fellow an der Akademie der Wissenschaften der Republik Tatarstan. http://www.icatat.de, www.pascha-magdeburg.de


Ammar Awaniy, 29,

Der seit sieben Jahren in Magdeburg lebende Syrer ist Autor und Schauspieler. Sein erster Roman „Fackel der Angst. Von Homs nach Magdeburg“ spiegelt seine Verbundenheit mit seiner neuen Heimatstadt wider. Seine Hoffnungen, wertvollen Begegnungen und Träume zwischen Berlin, Halle und Leipzig lässt er in seinen Texten sprechen und leuchten. Seine Texte hat er mehrsprachig in verschiedenen Zeitungen, Büchern und Zeitschriften in Deutschland, Syrien und Rumänien veröffentlicht. Er interessiert sich besonders für die interkulturellen Geschichten zwischen Orient und Okzident, die er in jeder Zeile als Co-Autor der Anthologien „Der Pascha von Magdeburg. Der Orient in Mitteldeutschland“ (2019) sowie „ZWEIHEIMISCH. Die Erben des Paschas von Magdeburg“ (2022) repräsentierbar und überzeugend findet. www.ammar-awaniy.de

Korrespondenz:

Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT), Brandenburger Straße 9, 39104 Magdeburg, E-Mail: Hotopp-Riecke@icatat.de

Wir danken dem Förderverein der Schriftsteller für die Unterstützung im Rahmen der Lesereihe „Spuren suchen – Spuren legen. Literarisches von Arendsee bis Zeitz“ aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt

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