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ICATAT-Bildungs- und Empathie-Offensive „Neue Heimat / الوطن الجديد“

Angesichts eines immens gestiegenen Bildungs- und Beratungsbedarfs zu den Themen Islam, Interkulturgeschichte, Integration und Vielfalt hat das ICATAT in Sachsen-Anhalt eine Bildungs- und Empathie-Offensive initiiert. Unter dem Titel „Neue Heimat / Al watan al-dshadid“ werden über drittmittelfinanzierte Bildungs-Module unterschiedliche Bedarfe abgedeckt, die in den letzten Jahren vernachlässigt und nun aufgrund gestiegener Flüchtlingszahlen in ihrer Dringlichkeit nicht mehr zu ignorieren sind. Zielgruppen sind einerseits Lehrer_innen und andere Multiplikator_innen, etwa aus dem Ehrenamtsbereich oder der Verwaltung, sowie andererseits Schüler_innen, Einwander_innen und Flüchtlinge. In Blockseminaren, Tagesworkshops und auf GeoCachingTouren hun bi xer...wird Wissen für zweierlei Aha-Effekte vermittelt: Die alteingesessene Bevölkerung einerseits entdeckt, dass auch unsere Vorfahren schon mit Phänomenen wie Zuwanderung oder religiöser Vielfalt umgehen mussten. Gerade Magdeburg aber auch die Altmark zum Beispiel blicken auf eine multiethnische Vergangenheit zurück: Holländer, Franzosen, Flamen, Sorben gehören dazu, aber auch osmanische und tatarische Spuren sind hier bezeugt. So können nun Flüchtlinge und Einwanderer andererseits erfahren, dass sie nicht die ersten Neubürger hier sind. Ein Bildungsmehrwert auf beiden Seiten, der gemeinsam gewonnen und vielsprachig bearbeitet wird mittels Hinterfragen von Alltäglichem und Entdecken von Vergessenem. Die Empathieoffensive lädt ein zum Begegnen mit dem vermeintlich “Fremden” in unserer Region als auch in uns selbst: Deutsche im Orient, Muslime in Magdeburg und Halle, in Börde, Harz und Altmark. Osmanen in der Vergangenheit der Region Sachsen-Anhalt sowie Türken, Kurden und Tataren in der Gegenwart werden vorgestellt zusammen mit Migrantenselbsorganisationen und Schulkl

Ein äußerst erfolgreiches Projekt in diesm Kontext konnte mit Förderung durch den Engagementsfonds „Willkommenskultur“ des Landes Sachsen-Anhalt, begleitet durch die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen (LAGFA) im Herbst und Winter 2015 abgewickelt werden: Mit unseren ICATAT-Welcome-Safaris konnten wir Wissen um Sozialraum und Interkulturgeschichte unserer Stadt Flüchtlingen anbieten, die neu nach Magdeburg gekommen waren, als auch Migrant*innen, die bereits einen längeren Zeitraum in Magdeburg wohnen. Im Laufe des Projektzeitraums ergaben sich aus den unterschiedlichen Gruppen heraus und (durch uns vermittelt) zwischen den geführten Gruppen Kontakte zu den Institutionen / Organisationen, die an den einzelnen Stationen des Stadtrundganges und bei den Vorbereitungstreffen gezeigt / angesprochen / vorgestellt wurden. Neben dem geplanten Projektziel, die Neumagdebürger mit Interkulturgeschichte und sozialem sowie politischem Umfeld der Stadt vertraut zu machen, konnten wir so noch einen Schritt weiter gehen und neu Eingetroffene mit alteingesessenen Migrantenselbstorganisationen als auch deutschen Nachbarn bekannt zu machen und auf Vor- und Nachbereitungstreffen, bei gemeinsamem Kochen und Essen zu neuen gemeinsamen Projekten zu animieren. Muslim*innen, Christ*innen und Atheist*innen, die sich sonst nicht häufig begegnen sind zum Beispiel Ende Februar durch die Bekanntschaft aus unserem Willkommensprojekt gemeinsam am Projekt „Europäische Held*innen“ im Februar 2016 beteiligt. Daran nehmen sowohl syrische und afghanische Flüchtlinge, jüngst Zugezogenen aus Rußland und der Ukraine sowie Alteingesessene Aserbaidschanr*nnen, Tatar*innen und Palästinenser*innen teil. Einladungen unter den verschiedenen Gruppen wurden gerne angenommen und so zur innerstädtischen Vernetzung beigetragen. Eine gemeinsame Abschlussveranstaltung wurde gemeinsam vorbereitet (Essen gekocht, Kostüme für eine frisch entstandene syrische Tanzgruppe genäht, Übersetzungen von Liedern und Gedichten gemeinsam vorbereitet und präsentiert). Wir freuen uns, dass das Projekt so auch eine nachhaltige positive Wirkung entfalten konnte, sowohl in die Migrantengruppen als auch in die Nachbarschaftsviertel / Stadtlandschaft / Vereinsszene hinein.

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Das ICATAT ist Mitglied im Netzwerk für Demokratie und Toleranz Sachsen-Anhalt und Kooperationspartner der Bundeskoordination „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“. Fachliche Expertise sowie ein reicher Erfahrungsschatz aus ähnlich gelagerten Projekten des ICATAT bilden die Basis für Erfolg und Qualität der Bildungsangebote, wie z.B. die interdisziplinären Bildungsmodule zur interkulturellen Geschichte Sachsen-Anhalts „Der Pascha von Magdeburg“ und „Ali und Hanife in Sachsen-Anhalt“, gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung. Schulen und Initiativen/Vereine können sich bei Bedarf gerne melden unter: office@icatat.de

Kooperationspartner des Projektes sind die Union der Tataren in der Bundesrepublik „Tatarlar Deutschland e.V:“, die DITIB-Jugend, die islamischen Gemeinden Sachsen-Anhalts, das Bundesmodellprojekt „Dehnungsfuge. Auf dem Lande alles dicht?“, diverse Migranten-Selbstorganisationen, die Refugees-Welcome-Initiativen, Volkshochschulen sowie Institute und Hochschulen in- und außerhalb Sachsen-Anhalts.

Von dem Vorhaben und der Notwendigkeit intensiverer Vermittlung interreligiöser und –kultureller Bildung in Sachsen-Anhalt berichteten bereits die Altmark-Zeitung, Die Welt, Focus-online, ISLAMiq.de, Volksstimme und die Mitteldeutsche Zeitung. Die ADN-Meldung hier downloadbar als PDF.

Projects

Der Pascha von Magdeburg

Interkulturelle Stadtspaziergänge und Jugendbildungsprojekte zu deutsch-islamischer Geschichte in Magdeburg und Sachsen-Anhalt.

Mehmed Ali Pascha,
geboren als Ludwig K. F.
Detroit in Magdeburg
(*18.11.1827-
† 7.9.1878
in Đakovica)
Der osmanische
Publizist und
Orientwissen-
schaftler „Ishtiraki“
(اشتراكى), geboren
in Wolmirstedt,
ausgebildet in Magdeburg
Bruno Taut, Architekt in Magdeburg und Istanbul, begraben als einziger Deutscher auf dem Märtyrer-Friedhof in Istanbul-Edirnekapi
Osmanischer Pascha als „Dauer-Camper“ mitten im Magdeburg des 17. Jahrhunderts. Was ist dran an der Legende vom „Goldenen Zelt“?

Wem ist in Erinnerung, dass einer der aktivsten progressiven Publizisten des Osmanischen Reiches – „Al Ishtiraki“ – seine Karriere am Magdeburger Domgymnasium begann oder dass der osmanische Verhandlungsführer beim Berliner Kongress von 1878 – Mehmed Ali Pascha – ein Hugenotte aus Magdeburg war? Und was hat es mit dem Tatarenturm des Magdeburger Doms auf sich? Wer kennt den Osmanischen Pascha, der als “Dauer-Camper” mitten im Magdeburg des 17. Jahrhunderts im “Goldenen Zelt” residierte. Was ist dran an der Magdeburger Legende vom “Teufel und dem Tartarenkönig” oder an Heinrich Zschokkes „Pascha von Buda“? Wieviele Muslime leben heute in unserer Stadt und woher kamen sie? Wer glaubt, die Geschichte muslimisch-deutscher Beziehungen fing zuerst in Westdeutschland mit den sogenannten Gastarbeitern an – und in der DDR gar erst nach der Wende – wird auf dem Streifzug durch Gegenwart und Vergangenheit des Islams in Magdeburg und deutscher Kultur in der Türkei dazulernen. Den Abschluss des Spazierganges bildet  ein Besuch bei der Islamischen Gemeinde Magdeburg in der Al-Rahman-Moschee und ein anschließendes Abendessen in einem orientalischen Bistro Magdeburgs. Bisher waren wir immer abwechselnd im Bingöl, Urfam, Kodat-Grill, KönigsDöner und im Acar zu Gast.

Kompetenter Stadtführer ist der Turkologe und Islamwissenschaftler Dr. Mieste Hotopp-Riecke vom ICATAT Berlin-Magdeburg. 
Nächste Termine:

  • Mo., 07.09.2015, 17.00 bis 19.00 Uhr  (Anmeldung über VHS Magdeburg erforderlich)
  • Mo., 05.10.2015, 16.30 bis 18.30 Uhr  (Anmeldung über VHS Magdeburg erforderlich)

Fachbereichsleiterin Dörte Neßler an der Städtischen Volkshochschule Magdeburg nimmt Ihre Anmeldungen entgegen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0391/535477-15 sowie per E-Mail: d.nessler@vhs.magdeburg.de

Buchungen für Kleingruppen nach Vereinbarung unter office@icatat.de jederzeit möglich
Treffpunkt: Tatarenturm am Magdeburger Dom
Kosten: 15,00 €  p. Psn. (Schüler/Studenten-Ermäßigung mgl.).

Anmeldung unter: office@icatat.de / 01573-1758823

Neben dem Stadtspaziergang bietet das ICATAT Magdeburg auch Schülerworkshops und Jugendseminare unter dem Titel „Der Pascha von Magdeburg“ an. Schülerinnen und Schüler, Jugendliche und Studenten erwerben dabei Wissen um die interkulturelle Geschichte der Stadt Magdeburg und der Regionen Sachsen-Anhalts (Siehe Schüler-Geschichts-Werkstatt „Auf den Spuren des Paschas von Magdeburg“ am Hegel-Gymnasium Magdeburg). Mit Biographiearbeit, Namenskunde und praktischen Übungen (Genealogie/Archivrecherche, Fotosafari, Text- und Videoproduktion) verbunden entdecken die Teilnehmenden verborgene „fremde“ Geschichten in der Eigenen. Unsere Partner dabei sind die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA), die Landesvereinigung  kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. (LKJ), die Internationalen Jugend-Gemeinschaftsdienste (ijgd) und die Deutsche Jugend in Europa (DJO). Auf Kongressen und Seminaren in Finnland, Tatarstan, Polen, Deutschland sowie in in- und ausländischer Presse sind die Jugendbildungsmodule des ICATAT-Programms „Der Pascha von Magdebvurg“ vorgestellt und diskutiert worden. Eine Übersicht als Artikel in „SOZIOKULTUR“ als pdf hier.

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PRESSESTIMMEN zum „Pascha von Magdeburg“

Als erstes berichtete das Stadtmagazin DATES, S.4 vom Julei 2012 über den interkulturellen Stadtspaziergang (PDF hier).

Der Mitteldeutsche Rundfunk und die Volksstimme (Magdeburg) berichteten je drei mal über unseren interkulturellen Stadtspaziergang. Die Artikel sind hier teils dokumentiert (26.1.2013: „Spannender Spaziergang auf den Spuren des Islams in Magdeburg„). Magdeburg Kompakt brachte in Ausgabe 29 (II/7-2014) auf den Seiten 34/35 (Gesichter&Geschichten) den Artikel „Das Erbe des Paschas von Magdeburg„.

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Lehrer aus Baschkortostan auf den Spuren des Paschas von Magdeburg

Der Tatarenturm des Domes St. Mauritius und Katharina zu Magdeburg am südöstlichen Ende des  Rempterganges. Erbaut um 1241 auf Geheiß Erzbischofs Wilbrand von Käfernburg,  ist der älteste Magdeburger Wehrturm.
Es gab schon immer Beides: Austausch mit der Fremde als auch Angst vor ihr. Zeugnis der Tatarenangst vergangener Jahrhunderte ist der Tatarenturm von Magdeburg, Startpunkt der Stadtführung.
Auf der ehemaligen Schmiedehofstraße stand das legendäre Goldene Zelt des osmanischen Pascha-Sohnes im 17. Jahrhundert, heute der Platz des türkischen Bistro-Restaurants ACAR im  Magdeburger Allee-Center.

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Eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern des Gymnasiums 93 in Ufa, der Hauptstadt der Republik Baschkortostan, war auf Einladung ihrer deutschen Partnerschule eine Woche in Deutschland. Die Kolleginnen und Kollegen des Freiherr-von-Stein-Gymnasiums Weferlingen und die russischen, baschkirischen und tatarischen Gäste unternahmen in Magdeburg eine gemeinsame Reise durch die interkulturelle Geschichte Magdeburgs auf den Spuren von Osmanen, Baschkiren, Tataren und Türken in der Stadt. Spannend, amüsant und lehrreich fanden die Gäste aus der russländischen Teilrepublik diesen Stadtrundgang der besonderen Art. Erstaunt stellten sie fest, wieviel Querverbindungen es zwischen Baschkiren, Tataren und Deutschen in Magdeburg und Sachsen-Anhalt es in der Vergangenheit gegeben hat. Vom Tatarenturm am Magdeburger Dom führte die Spurensuche bis zur ehemaligen Schmiedehofstraße, wo das legendäre Goldene Zelt eines osmanischen Paschasohnes gestanden haben soll. Während auch die anderen Begegnungen zwischen Baschkiren, Tataren, Osmanen und Deutschen stets im Zusammenhang mit Krieg und Gewalt gestanden hätten, seien heutige Begegnungen dem gegenseitigen Lernen und dem Kulturaustausch gewidmet, freuen sich die tatarische Lehrerin Alsu Kolzowa und ihre Kollegen aus der fernen Republik am Ural.

Auch die Volksstimme berichtete vom pädagogischen Austausch Weferlingen-Ufa („Lehrer aus Ufa zu Gast am Weferlinger GymnasiumVon Baschkortostan nach Sachsen-Anhalt).

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Auf osmanisch-tatarischen Spuren in Magdeburg mit tatarischen und russischen Akademikern der Nationalen Alexei-Andrejewitsch-Tupolew-Universität für Technik Kasan (КНИТУ-КАИ) unter Vorsitz des Leiters der Abteilung für internationale Beziehungen, Prof. Dr. Alexander Snegurenko. Die Delegation weilte in Magdeburg, um die Gründung der ersten Deutsch-Russischen Universität vorzubereiten. Zusammen mit der TU Ilmanau wird die OvGU und die КНИТУ-КАИ als ersten Schritt das German-Russian Institute of Advanced Technologies“ (GRIAT) in Kasan, Republik Tatarstan, gründen. Offizielle Eröffnung des neu erbauten Campus wird im September sein.

Volksstimme 15.12.2012

Volksstimme 26.01.2013
Volksstimme 26.01.2013
Meetings, Projects

Euro-Sabantuy 2015 – Duslyk küpere / Dostluk köprüsü

SABANTUY! Freundinnen und Freunde der tatarischen Kultur wissen bereits: Auf dem Fest des tatarischen Volkes gibt es immer wieder Vieles zu entdecken. Saban heißt in vielen Turksprachen der Pflug, toy oder tuy ist das Fest, oft die Hochzeit. Auf dem großen Euro-Sabantuy 2015 in Berlin treffen sich Jugendliche, Journalisten, Künstler und Akademiker aus Russland, der Ukraine, Polen und Deutschland sowie etlichen weiteren Staaten Europas um unterschiedliche Bereiche tatarischer Kunst, Geschichte und Gegenwart zu diskutieren, zu reflektieren und zu feiern.

Europäische Held_innen Musa, Mina, Ahmet

Ein Workshop zu tatarisch-deutsch-sorbischen Biographien, Heimat & Identität in Geschichte & Gegenwart

In unserer Jugendgeschichtswerkstatt „Helden Heimat Identität“ geht es um drei Biografien: Die des Wolgatataren Musa Dshalil, der sorbischen Journalistin Mina Witkoij und die des Krimtataren Amet Khan Sultan.

Musa Dshalil, Vorsitzender des Schriftstellerverbandes Tatarstans, freiwilliger Politoffizier der Roten Armee, Legionär der Wolga-Tataren-Legion der Deutschen Wehrmacht und Antifaschist ist nach wie vor eine Ikone in Kultur und Geschichte der Kasan- oder Wolgatataren. Über die Facetten seines Lebenslaufes, dessen Rezeption bei Linken und Rechten, bei Muslimen und Kommunisten, unter Jugendlichen und Veteranen geht es im Workshop. Der Dichter und Rotarmist wurde ermordet 1944 in Berlin-Plötzensee.

Ahmet Khan Sultan, zweifacher Held der Sowjetunion, Militärpilot der Roten Armee, ist der Hauptheld des ersten krimtatarischen Spielfilms. Die Tragödie seiner Familie und seiner Lebensgeschichte ist Thema unseres Workshops. Während er als erfolgreicher sowjetischer Jagdflieger seine Karriere als Testflieger fortsetzen darf, werden andere Familienmitglieder so wie sein ganzes Volk 1944 vom Stalin-Regime in Viehwaggons nach Zentralasien deportiert.

Mina Witkojc.“ Die sorbische Journalistin und Dichterin Wilhelmine Wittka (Mina Witkojc, 1893-1975), wurde wegen ihrer demokratischen Grundhaltung 1931 aus ihrer Redaktion entfernt, 1932 wegen angeblicher „deutschfeindlicher Politik“ vor Gericht gebracht, 1933 mit Berufsverbot belegt und 1941 von den Nazis aus der Lausitz ausgewiesen.

Alle drei Lebensläufe und ihre Rezeption bzw. Instrumentalisierung werden junge Menschen aus unseren  verschiedenen Ländern gemeinsam entdecken, diskutieren und vergleichen.

Projects

Dehnungsfuge / Genleşme Derzi. Neues Bundesmodellprojekt interkultureller Bildung.

ICATAT begleitet 2015-2019 mit fachlicher Expertise Projekt gegen Rechtsextremismus / Fachkonferenz im Schweriner Schloß als gelungener Auftakt

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Dehnungsfuge. Auf dem Lande alles dicht?“ ist eines von bundesweit fünf Modellprojekten zur Demokratiestärkung im ländlichen Raum, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Programm „Demokratie leben!“ gefördert wird. Seit dem Mai 2015 ist unsere Webseite www.dehnungsfuge.com freigeschaltet. Die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. (.lkj) entwickelte das Projekt „Dehnungsfuge“ und ist die nächsten fünf Jahre für die Umsetzung zuständig – in Zusammenarbeit mit regionalen und lokalen Partnern. Doch Dehnungsfuge? Kulturelle Bildung? Was ist das und wie passt dies zusammen, sind wohl die ersten Fragen, die beim Lesen des Projekttitels des neuen .lkj)-Projektes aufscheinen. „Der Begriff »Dehnungsfuge« ist bewusst aus dem Baujargon gewählt. Diese besondere Fuge gleicht das Quellen und Schwinden von Rissen aus – reale Risse zwischen Bauteilen und Materialien, symbolische Risse in der Gesellschaft zwischen Alt und Jung, zwischen Arm und Reich oder auch zwischen Kultur und Kommerz aus.“ heißt es im Antragsexposé der .lkj). Im Positionspapier Dehnungsfuge/shov/derz. des ICATAT heißt entsprechend: „Wir möchten jedoch sehr wohl mit aller Energie versuchen, der vom neoliberalen Verwertungskapitalismus erzwungenen sozialen Stratifikation unserer Gesellschaft etwas Ausgleichendes entgegenzusetzen. Dies möchten wir modellhaft eruieren, indem wir Benachteiligte unserer Einwanderungsgesellschaft – Teile der ländlichen Jugend, Einwanderer- und Flüchtlingskinder, hiergebliebene „Wendeverlierer“ mit (oft prekär beschäftigten) Kulturaktiven, mit Lokalpolitikern, Pädagogen und Sozialarbeitern, Verwaltung, dem erfolgreichen Mittelstand, dem Handwerk und der (regionalen) Wissenschaft vernetzen.“

BMFSFJ-Modellprojekte entwickeln und erproben innovative Ansätze im Bereich der Demokratieförderung und Präventionsarbeit. Sie setzen an dringenden Fragen und Problemen an, werden wirkungsorientiert geplant und umgesetzt und sind partizipativ gestaltet. Bewähren sich die in den Modellprojekten erprobten Methoden und Ansätze, sollen die in der Projektarbeit gewonnen Erkenntnisse auf die bundesweite Arbeit anderer Träger oder Förderbereiche, insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe, übertragen werden. Ziel ist die Weiterentwicklung pädagogischer Praxis unter Berücksichtigung spezifischer lokaler Strukturen und deren Überführung in die Regelstrukturen. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt Modellprojekte, die sich speziellen Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit widmen. “Dehnungsfuge” wird als Modellprojekt gefördert, das in der Arbeit gegen Rechtsextremismus, Gewalt und gruppen­bezogener Menschenfeindlichkeit die besonderen Strukturen und Rahmenbedingungen im ländlichen, struktur­schwachen Raum und entsprechende neue Herausforderungen an unsere Einwanderungsgesellschaft in den Fokus nehmen. Hierbei geht es darum, die demokratische Kultur vor allem junger Menschen zu stärken und neue Formen der Konflikt- und Problemlösung zu erproben. Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Einbeziehung von Flüchtlingen und Einwanderern, um eine Willkommenskultur demokratischer partizipativer an der Basis gestalten zu können.

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Die lokalen und regionalen Partner des Projektes Dehnungsfuge trafen sich am 19. März in Schwerin, um Aufgaben, Strategien und erste Schritte zu beraten, sich untereinander kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Die „Dehnungsfuge“ wird in vier Bundesländern an fünf Standorten umgesetzt: Als entsprechende Regionalpartner arbeiten am Projekt mit die Lkj Mecklenburg-Vorpommern, die Lkj Schleswig-Holstein und die Plattform kulturelle Bildung Brandenburg, denen jeweils lokale Partner zugeordnet sind. Die lokalen Partner sind Akteure aus der Kunstszene: Regisseure, Schauspieler, Musiker, Bühnenbildner unter anderem vom Theater der Altmark (Stendal, Sachsen-Anhalt), von der Lehnschulzen-Hofbühne (Viesen, Brandenburg) oder dem Landestheater Schleswig-Holstein.

Das ICATAT bringt in das Projekt Fachkompetenzen ein, die seit Jahren in den Bildungsmodulen „Der Pascha von Magdeburg“ und diversen internationalen Jugendaustausch- und Wissenschaftsprojekten angewendet werden. Insbesondere die Arbeit mit Migrant_innen aus dem islamischen Kulturkreis, deren Kindern, Einwanderern aus Osteuropa (oft mit ungenutztem Expertenwissen) sowie die Einbeziehung von Gastwissenschaftlern relevanter Fachgebiete wie Pädagogik, Soziologie, Islamwissenschaft und Turkologie wird vom ICATAT geplant, vermittelt und konzeptionell vorbereitet.

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Die Fachkonferenz „Alternativen in der Jugendarbeit“ im Plenarsaal des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern diskutierte neue Projekte, unter anderem die „Dehnungsfuge“, die „Essbare Stadt „aus Andernach sowie „otelo“ aus Österreich vor dem Hintergrund neuer Ansätze zur Einbeziehung von Jugendlichen und Migrant_innen.

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Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation der Bundesmodellprojekte übernimmt bis 2020 das Deutsche Jugend-Institut. Ein erstes bundesweites Treffen von circa 30 Bundesmodellprojekten fand in der Leucorea (Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg) im Juni 2015 statt.

 

Projects

Die Rückkehr des Preußen Aly in die Hauptstadt

Grandiose Vernissage der Sonderausstellung „Türcken, Mohren und Tartaren. Islam in Brandenburg-Preußen“

Nachdem im letzten Jahr über 10.000 Besucher ins Brandenburg-Preußen-Museum nach Wustrau (BPM) gepilgert sind um die Ausstellung zu besuchen, die als erste – basierend auf neuen Forschungsergebnissen – die bislang unterbewertete oder ignorierte Geschichte islamischen Lebens im deutschsprachigen Raum vom 16.-18. Jahrhundert vorstellt, steht diese Schau nun den Berlinerinnen und Berlinern offen: Am Freitag, den 27. Februar 2015, wurde sie zusammen mit dem neu erbauten Kulturzentrum der tradtionsreichen Şehitlik-Moschee Berlin eröffnet. Emotionale Eröffnungsreden wurden gehalten, in denen die bundesweite Bedeutung der Ausstellung – einer Kooperation des Brandenburg-Preußen-Museums Wustrau und des ICATAT, betont wurde. Hunderte Menschen, Nachbarn, Berliner Juden, Christen, Hindus und Muslime waren gekommen, um das neue Kulturzentrum der Moschee sowie die Ausstellung zu sehen. Ehrengäste waren der Botschafter der Republik Türkei, Hüseyin Avni Karslıoğlu, der Generalkonsul der Türkei in Berlin, Ahmet Başar Şen, der Vorstandsvorsitzende des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet İşleri Başkanlığı Türk İslam Birliği), Nevzat Yaşar Aşıkoğlu,

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 der Vorsitzende der SPD-Fraktion des Berliner Senats und spätere regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, sowie zahlreiche Abgeordnete von Bundestag, Landes- und Kommunalparlamenten, Vertreter von NGO´s und aus der Wissenschaft. In einer prunkvollen Kutsche wurde die Anreise des Osmanischen Botschafters Giritli Ali Aziz Efendi nachgestellt. Dieser verstarb 1798 in Berlin. Für sein Begräbnis und die Einrichtung eines islamischen Friedhofes schenkte der Staat Preußen dem Osmanischen Reich  damals ein Stück Land, wo heute auch Moschee und Kulturzentrum stehen. Die Ausstellung wurde gerahmt von Fachvorträgen, Führungen und Diskussionen bis zum April 2015. Ermöglicht wurde der Bau des neuen Kulturzentrums durch 750.000 € Spenden der Berliner Muslime sowie einer Förderung von 250.000 € durch das TIKA-Ministerium der Republik Türkei (Ministerium für türkische Zusammenarbeit und Koordination).

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Die Erstellung der Ausstellung und des dazugehörigen Katalogs wurde vom Yunus-Emre-Institut unterstützt. Das pädagogische Begleitprogramm zur Ausstellung „Ali und Hanife in Berlin-Brandenburg“ kann über das ICATAT weiterhin gebucht werden, das Vortrags-Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie hier: Termine

Die rbb-Abendschau, Tageszeitungen wie die türkische Hürriyet und diverse Online-Portale berichteten von der Veranstaltung. Im Anschluß an Berlin wird die Sonderausstellung „Türcken, Mohren und Tartaren – Islam in Preußen“ mit Unterstützung der Projektpartner von BPM und ICATAT in Tatarstan, der Türkei, Litauen und Polen zu sehen sein. Im Kreml von Kazan laufen bereits die Vorbereitungen der Akademie der Wissenschaften Tatarstans dafür, mit Partnern der Marmara-Universität Istanbul bereitet man sich auf die Türkei-Schau vor.

 Pressestimmen finden Sie hier (Hürriyet).dcdda ab

cd Die werbewirksame Figur der Ausstellung zeigt Christian Friedrich Aly (* etwa 1666 im Osmanischen Reich; † 9. Dezember 1716 in Berlin). Er wurde zum Christentum zwangskonertiert in Grieben/Buch bei Magdeburg und war nach seinem Dienst als Kammertürke der preußischen Königin Sophie Charlotte Stadthauptmann (`Bürgermeister`) von Berlin (Lietzenburg/Charlottenburg). Als sogenannter Beutetürke durchlief er eine beachtliche Karriere und kehrte nun symbolisch an den Ort seines Schaffens zurück, nach Berlin.

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„Fremde nahe Heimat: Checke Deine Stadt“

lkj und ICATAT mit Zeitreisemanufaktur auf kulinarisch-historischer Stadtsafari in Magdeburg

Ein neues Projekt zu Stadtgeschichte, Integration und Vielfalt startet 2015 als Kooperation von Magdeburger Schulen, der lkj, der Zeitreisemanufaktur und dem ICATAT. Jugendliche entdecken auf Geo-Caching-Exkursionen die Interkulturgeschichte Magdeburgs und dokumentieren diese in einem Webportal – für sich, für Neumagdebürger, Touristen und Gäste.

Die reiche interkulturelle Geschichte Magdeburgs ist oft versteckt oder erst auf den zweiten Blick sichtbar, wurde verdrängt oder vergessen. Dabei können viele Geschichten aus Magdeburgs Geschichte lehrreich sein für unser Heute: islamisch-christliche Begegnungen hier und historische Magdeburger Lebenswege in den Orient können verdeutlichen: Migration, Integration und Kulturaustausch sind keine Phänomene der Moderne. Dies gab es schon immer und Vielfalt, Offenheit und Vernetzung macht die Stärke einer Gesellschaft aus. Deshalb gehen Jugendliche MagdeburgerInnen mit jugendlichen Gästen auf Geo-Caching-Exkursionen durch unsere Stadt und entdecken, beschreiben, schmecken und dokumentieren gemeinsam diese Vielfalt – historische wie aktuelle.  Erste Ergebnisse des Pilotprojektes sind hier einsehbar.

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Im Schatten des Tatarenturms. Interkulturelle Stadtbilder gemeinsam gestalten in Magdeburg

Von Herbst 2014 bis Sommer 2015 entwickelte sich ein besonderes Projekt zur islamisch-deutschen Stadtgeschichte Magdeburgs: Wir erstellten zusammen mit Schülern, Studenten, SeniorInnen, MigranteInnen als auch Alteingesessenen Illustrationen zur bunten Stadtgeschichte Magdeburgs. Gefördert von der Aktion Mensch gestalteten wir Graphiken, Collagen, Zeichnungen, Bilder und Fotos für das Buch „Der Islam in Sachsen-Anhalt / Magdeburger im Orient“. Junge Deutsche und Jugendliche mit Migrationshintergrund entdeckten gemeinsam Bruchstücke alltäglicher Interkulturkontakte im regionalen Kontext und gestalteten zusammen Bilder für eine Publikation zur deutsch-islamischen Geschichte in Sachsen-Anhalt, die in eine Publikation einfließen werden: Wer erinnert sich noch an die Magdeburger Sagen, in denen Tataren, Türken, Araber und Osmanen eine Rolle spielen, wer kennt noch die entsprechenden Häuser, die erst 1945 zerstört wurden? Wer kennt die Geschichte der Sandsteintürken und weiß woher der Tatarenturm am Dom seinen Namen hat? Wer waren die Aserbaidschaner, Tataren und Kirgisen, die im Nordpark begraben liegen? Woher stammt die Magdeburger Familie Aly? Gerade das Thema islamischer Spuren in Magdeburg und von Magdeburger Lebenswegen in den Orient kann deutlich veranschaulichen, dass Integration und Migration keine Phänomene der Jetztzeit sind. Ein Präsentieren und Konservieren solcher historischer Interkultur-Fundstücke der Vergangenheit kann so zu mehr Toleranz in unserer Einwanderungsgesellschaft der Gegenwart beitragen. Die teilnehmenden Jugendlichen lernten diese Geschichte kennen und ließen sich dadurch inspirieren für eigene Kreativität. Daneben wurden Arbeitstechniken/Medienkompetenz und Fertigkeiten wie Projekt-Blogging vermittelt.

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In einem nächsten Schritt sollen nun die diversen Sagen, Geschichte, Fachtexte, biografischen Erinnerungen und Novellen stilistisch vereinheitlicht werden zu einem lesbaren lehrreichen Buch über Kulturkontakte und Lebenswege „Der Islam in Sachsen-Anhalt / Magdeburger im Orient“.

In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, dem Literaturhaus Magdeburg und der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (MMKT GmbH) soll die Publikation zweierlei Zielgruppen erreichen: Einerseits die interessierte Öffentlichkeit und Touristen als auch andererseits die Schülerinnen und Schüler Sachsen-Anhalts, um Identifikation mit der Heimat auch für Neubürger und Flüchtlinge zu unterstützen als auch zur Vorbeugung von Xenophobie und Islamphobie zu zeigen, das Interkulturkontakte mit dem islamischen Kulturkreis in Magdeburg und Sachsen-Anhalt bereits seit über 1000 Jahren Tradition haben.

Einige Illustrationen des zukünftigen Buches – Projektergebnisse aus der Förderung durch Aktion Mensch – sind hier in grober Auflösung zu sehen. Eine erste Werkschau fand im Rahmen der Kunstaktion „Neue Sinnlichkeit“ von Kulturanker e.V. in der alten JVA Magdeburg statt, eine Vernissage aller Werke ist mit Vorleseabend und Konzert in der Magdeburger Stadtbibliothek geplant.

Eine Rückblick-Broschüre findet sich hier.

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Ausstellung „Heimat im Krieg 1914-18“ Spurensuche in Sachsen-Anhalt

Wanderausstellung und pädagogisches Begleitprogramm gestartet  logo

Vorträge – Workshops – Schulprojekttage                      (Laufzeit 2014-2018)

Der Museumsverband Sachsen-Anhalt hat zusammen mit einem Netzwek aus Institutionen und Verbänden die Wanderausstellung „Heimat im Krieg 1914-18. Spurensuche in Sachsen-Anhalt“ mit pädagogische Begleitprogramm initiiert, die bis 2018 durch unser Bundesland touren wird. Eine Flut von Veröffentlichungen und Forschungen begleiten den 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges. Auffällig ist jedoch, dass kaum regionale Aspekte für die damalige preußische Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt untersucht und betrachtet werden. So haben sich Studierende des Instituts für Geschichte der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg auf eine Spurensuche in Sachsen-Anhalt begeben. Die Ausstellung ist daher keine umfassende regionalgeschichtliche Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges, sondern der Betrachter hat Teil an den Ergebnissen der Spurensuche der Studierenden. Noch weniger als die regionalen Aspekte des I. Weltkrieges werden die Komponenten „Muslime im Ersten Weltkrieg“ und „Interkulturkontakte“ wissenschaftlich und pädagogisch bearbeitet. Hier setzt unser Institut an und bietet im pädagogischen Begleitprogramm zur Wanderausstellung Vorträge, Workshops und Schulprojekttage an. Den Vortrag „Barbaren, Alliierte, Migranten – Zur Rolle von Muslimen in Propaganda und Kriegsalltag 1914-18″ und den Workshop „Fremde. Nähe. Heimat im Krieg. Muslime in Deutschland und Deutsche im Orient 1914-18“ (InfoDownload hier) kann jede Bildungseinrichtung bei uns kostenfrei ordern und beliebig kombinieren: als Abend-, Tages- oder Wochenendveranstaltung gehen wir explizit auf die jeweilige Zielgruppe ein und konzipieren ein regional- und altersspezifisches Programm.

Wer weiß noch, dass tausende Baschkiren, Tataren, Inder, Algerier, Marokkaner und andere Kolonialsoldaten in Sachsen-Anhalt interniert waren, dass der Schöpfer des Tatarengedenksteins und Vizekommandeur des Kriegsgefangenenlagers für Muslime aus Magdeburg stammte oder dass deutsche Soldaten (z.B. aus Zielitz) in der osmanischen Armee dienten? Diese und ähnliche Themen werden zusammen mit den Jugendlichen anhand von Zeitzeugnissen, mittels Kochen, Fühlen, Schmecken, Diskutieren und Gestalten bearbeitet.

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Die Wanderausstellung ist eine Kooperation von:

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Interlese 2014: Junge Literatur zwischen Provokation und Integration.

Von Mongolen, Döner und Hacksteak Tatar

Ein Lese- und Diskussionsabend zu Fremdheit und Nähe

Woher kommen wir, was ist uns fremd und wie überwinden wir Kulturschranken? Nicht nur in unserer Gesellschaft bestimmen oft Stereotypen aus der Vergangenheit die Bilder in unseren Köpfen heute. Anhand kleiner Episoden und großer Weltliteratur rund um das Hacksteak Tatar und des Deutschen liebsten Fastfood – den Döner – erkunden Jaromir Konecny und Dr. Mieste Hotopp-Riecke die deutsch-böhmisch-turko-tatarische Welt der Nachwendegeneration. Was hat das Hacksteak mit den Tataren zu tun und geht Dönerliebe durch den Magen? Wir begegnen Bert Brecht, Franz Fühmann und Dschingis Khan, böhmischen Exilanten, bayerischen Gutmenschen und dem Dönerröschen.

Jaromir Konecny, der wohl schrägste Tscheche aus Deutschland, Poet, Naturwissenschaftler und Autor von „Tatar mit Veilchen“ und „Dönerröschen“ trifft auf Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Turkologe und Tatarenspezialist aus der Altmark, Autor von über einhundert Fachtexten unter anderem zur Kulturgeschichte des Hacksteak Tatar. AnnonceDönerIKUS

Ort: IKUS an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, 14.10.2014, 19.00 Uhr; Flyer zur Veranstaltung hier; Pressemitteilung hier zum download.

In Köthen finden am 15.10. noch zwei Schul-Lesungen statt.

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Im Trolleybus nach Osten.

Szenische Lesung mit Musik.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der INTERLESE statt, dem jährlichen Lesefestival des Bödecker-Literaturkreises mit internationalen Autoren.

Eine Produktion der  Gesellschaft für OSTEUROPA-FÖRDERUNG e. V. und des Theaters der Kalligraphie Berlin mit Unterstützung des ICATAT Magdeburg.

Der tatarische Schriftsteller ILDAR ABUSJAROW (*1975) erzählt in seinem ersten ins Deutsche übersetzten Buch „Trolleybus nach Osten“ (weissbooks, 2011), wie ein ehemaliger Krieger des Dschingis-Khan sich in einer russischen Metropole niederlässt, um Literaturwissenschaft zu studieren. Dort begegnet er einem Elitefußballer, der Koranunterricht nimmt, verliebt sich in eine Frau, die leidenschaftlich Tango tanzt, und knüpft Freundschaft mit Oberleitungsbussen (Trolleybussen), die von der Wolga nach Osten fahren, um sich in mongolischen Steppen in wilde Pferde zu verwandeln. Stereotypen von Russen, Deutschen und Tataren werden in rasantem Tempo ad absurdum geführt, ein tatarischer Ritt durch Metropolen und Kulturgeschichte.

Zwischen die Textabschnitte aus Abusjarows Erzählungen werden tatarische und russische Musikstücke und Gesänge platziert, die Musiker und die Lesenden treten in Interaktion.

Mit:

Furkat NIYAZI (Stimme, orientalische Lauten), geboren in Duschanbe (Republik Tadschikistan) ist Musiker und Musikethnologe, Gründungsmitglied der Musikgruppe „Tschiltan“ (Berlin), die sich der Pflege der traditionellen Musik Zentralasiens widmet. In seiner Heimat wurde ihm der Ehrentitel „Verdienter Künstler Tadschikistans“ verliehen.

Ildar KHARISSOV (Stimme, Klavier), geboren in Tatarstan (Russländische Föderation), ist Musiker, Dichter, Turkologe und Performer. Auftritte mit eigenen Kompositionen im Konzerthaus Berlin, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und in v.a. Kultureinrichtungen in Deutschland und Russland. Diverse Literatur- und Musikpreise.

Thomas STEINBACH (Rahmentrommel Doira), geboren in Pressath (Bayern), ist Musiker und Religionswissenschaftler, Gründungsmitglied der Musikgruppe „Tschiltan“. Als Forscher und Musiker bereiste er viele Länder Zentralasiens, vor allem der ehemaligen Sowjetunion. Radio- und Fernsehauftritte.

Mieste Hotopp-Riecke (Lesung), geboren in der Altmark, ist promovierter Turkologe, Publizist, Leiter des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien Magdeburg-Berlin, (Vor-)Lesungen, Seminare auf krimtatarisch, türkisch/deutsch im In- & Ausland. Über 130 Artikel und Bücher zu Literatur, Kultur, Sprachen und Geschichte der Tataren.

Ort: Feuerwache Magdeburg, Halberstädter Strasse 140, 39112 Magdeburg Termin: 16.10.2014, 19.00 Uhr

Flyer zum download hier. Eine Veranstaltung im Rahmen der INTERLESE 2014 in der Feuerwache als Kooperation mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis dem ICATAT Magdeburg und der Gesellschaft für Osteuropa-Förderung Berlin. Karten: mail@feuerwachemd.de