Auf der Insel Hiddensee fand das X. ICATAT-Sommer-Colloquium statt. 24 Akademiker*innen und Künstler*innen waren aktiv…

Oliver Meyer, ICATAT, Hiddensee-Colloquium 2020

Pandemie-bedingt wurden dem ICATAT kurzfristig alle bereits zugesagten Räumlichkeiten für unser jährliches Hiddensee-Colloquium an der Universität Greifswald entzogen: Bis zum 30.9.2020 finden keinerlei Publikumsveranstaltungen statt. Nach zähem Ringen um Ersatzunterkünfte und Arbeitsräume und dutzenden Telefonaten hatten wir Glück im Unglück. Kismet und Müjde! Fügung und Frohe Botschaft! Wir konnten zwar nicht mit 32 Menschen anreisen wie geplant, aber die Evangelische Gemeinde Hiddensee gab über zwanzig der Unsrigen Asyl. Im Rüstzeitheim am Pastorenweg, dem „Arnold-Gustavs-Haus“, konnten die ICATAT-Arbeitsgruppen tätig werden. Namensgeber Arnold Gustavs gründete 1923 auf Hiddensee mit Bruno Meissner, Friedrich Schachermeyer und Ernst Weidner die „Altorientalische Gesellschaft“ Deutschlands, die »sich die Erforschung der  Sprachen und Kulturen des Alten Orients zur Aufgabe« gesetzt hatte: »Ihre Forschungsarbeit erstreckte sich auf alle Länder des Vorderen Orients, die unter dem Einfluß der mesopotamischen Kultur gestanden haben, also vor allem Babylonien und Assyrien, Kleinasien, Armenien, Elam, Iran, Syrien, Palästina und Arabien.«

Gründung Altorientalische Gesellschaft

Sitzend v.l.n.r.: Fritz Schachermeyr, Anneliese Weidner, Bruno Meissner, Hade Unger, Arnold Gustavs; stehend v.l. n.r.: Eckhard Unger, Helene Gustavs, Ernst Weidner (Foto: Gustavs, Aus: Arnold Gustavs: Hiddensee. Aufzeichnungen eines Inselpastors. Hrsg. von Arne Gustavs, Berlin, 1982, Foto Nr. 4 im Anhang, s. S. 659)

So blieb also unsere akademische Stamm-Unterkunft vakant, doch bot uns das Arnold Gustavs-Haus die Chance, neue Perspektiven zu finden und Bewährtes fortzusetzen. Gesagt getan: Unser diesjähriges, das X. ICATAT-Sommer-Colloquium benannten wir – auch abhebend auf die Corona-Pandemie-Zeit – „Vakanzen // Chancen“.

1 Arnold-Gustavs-Haus ICATAT-Colloquium 2020 Foto © Kirsten Mengewein kiraton

Vakanzen: Zu den dutzenden pandemie-bedingten Absagen all unserer Aktivitäten gehörte unsere Studienreise „Islam at the Baltics“ (verschoben auf Mai 2021) und die ICATAT-Stadtführungen „Auf den Spuren des Paschas von Magdeburg“, alle öffentlichen Vorträge, Lesungen, Soiréen und Workshops in Berlin, Kasan, Leipzig, Vilnius… Auch der DAVO-Kongress 2020 und der Deutsche Turkologentag wurden abgesagt, ebenfalls der XI. Internationale Turkologie-Kongress in Warschau. Umso glücklicher waren wir, dass wenigstens unser Sommer-Colloquium stattfinden konnte.

Chancen: Wir nutzten die pandemie-bedingt kontaktarme Zeit für die Erprobung neuer Formate und innovativer Wege. Trotz und während der strikten Kontakt- und Reisebeschränkungen gingen in diesem Jahr bereits drei neue Projekte an den Start und wir arbeiteten mit an sieben (!) neuen Büchern (eine Auflistung findet sich am Ende dieses Collequium-Reviews). Eine neue Kooperation des ICATAT wurde initiiert  mit der größten Universität Frankreichs, der Aix-Marseille Université (AMU), insbesondere dem dortigen   – IREMAM | Institut de recherches et d’études sur le monde arabe et musulman (Institut für Forschung und Studien zur arabischen und islamischen Welt) und der Maison Méditerranéenne des Sciences de l’Homme. Wir freuen uns!

Neue Projekte: In Trägerschaft des Postillion e.V. aus dem Rhein-Neckar-Kreis arbeiten wir seit Anfang 2020 gemeinsam im Projekt „Land.Jugend.Mobil“ in Kooperation mit der .lkj) Sachen-Anhalt.  Wir initiierten und begleiten das Projekt „In the Middle of Nüscht 2020. Literatur gestaltet Heimat“ des Autor*innen-Netzwerkes „In the Middle of Nüscht“ um Herausgeberin/Autorin Sibylle Sperling und des EndeGelände e.V. Kuhlhausen, gefördert vom Literarischen Colloquium Berlin (LCB), gefördert im Rahmen des BKM-Förderprogramms »Kultur in ländlichen Räumen«. Rund 40.000 € konnten wir einwerben für unser Projekt „ZWEIHEIMISCH. Mit dem Pascha von Magdeburg unterwegs zwischen Altmark und Aga-Tal“ in Kooperation mit dem Förderverein der Schriftsteller, der .lkj) Sachsen-Anhalt und dem Jugendclub Bittkau, gefördert durch die Türkische Gemeinde Deutschland im Programm „Mein Land / Zeit für Zukunft“. Daneben flankieren wir als Kooperationspartner zwei Mikro-Projekte des „House of Ressources“ („Migranten für Migranten“ & „Tataria.online„) und arbeiten weiter an Projekten mit der Akademie der Wissenschaften der Republik Tatarstan.

Während des Sommer-Colloquiums auf Hiddensee wurde gearbeitet & geplant an:

  • Buchmanuskript weiterentwickelt für das nächste Werk „Hiddensee and the Orient“ (Kapitel zu Arnold Gustavs, zu Flora Tataricae, Orient-Caches, Felsenstein, Hanns H.F. Schmidt, Konrad Schmidt, Hugo Thürke, Musa Dschalil, Bernstein- u. Seidenstraßen, Saerkland- oder Sarazenen-Land-Runen (Wikinger-Runen die arabische Welt betreffend), Galinder (noch nicht germanisierter Stamm der Preussen/Prussen, einige Familien wanderten aus ins Kalifat von von Cordoba. Einige bekannte Muslime des alten Andalusiens hatten so galindisch-baltische Ahnen).
  • Kommunikation mit Verlagen und Autor*innen bzgl. nächster Buchvorhaben
  • GeoCache zum Thema „Hiddensee und der Orient“ und „Lyrische Pause“ installiert, großen Dank dafür an ICATAT-Fellow Kirsten Mengewein
  • Das Funkaktiv „Vielfalt“ um Oliver Meyer war dieses Jahr wieder auf den Spuren von Sendern und Funker*innen aus Asien und Nordafrika unterwegs zwischen Ionosphäre, Transmitter und 49-Meter-Band (z.B. Radio Mosaïque FM, Tunesien und die kurdische Welle von Radio Sverige). DANKE Olli!
  • Medien-Werkstatt „Foto / Doku / Blog“ (Kirsten Mengewein und Oliver Meyer führten ein Fotobearbeitung, GeoCaching und PolarSteps-Blogging). Herzlichen Dank! Erste Produkte sind hier im Beitrag zu sehen.
  • Planung des XI. Sommer-Colloquiums des ICATAT auf Hiddensee August 2021 mit Literatur-Abend im Henni-Lehmann-Haus

WIR KOMMEN IMMER GERNE WIEDER! Wir danken der Evangelischen Gemeinde Hiddensee für die gastliche Aufnahme!