Dieses traditionelle Neujahrsfest der Völker des Nahen Ostens ist seit einem Vierteljahrhundert nun auch in Sachsen-Anhalt fester Bestandteil des Kulturkalenders: Kurd*innen, Iraner*innen, Afghan*innen, Usbek*innen, Aserbaidschaner*innen trugen dieses Kulturgut mit in ihre neue Heimat, doch meist von der Mehrheitsgesellschaft unbemerkt. Wir möchten 2017 alteingesessene und zugezogene Menschen in Sachsen-Anhalt zusammenbringen und das NEWROZ 2017 zu einem selbstgestalteten Fest der Kultur und Bildung für ALLE machen. Wir haben das Festival geöffnet in mehreren Dimensionen: Thematisch geht es weit über Newroz hinaus, zeitlich dehnen sich die Teilhabe-Festival-Module auf eine Festwoche aus und wir öffnen uns in die Stadt hinein durch unterschiedliche Spielorte.

Hier finden sich die einzelnen Module des Teilhabe-Festivals beginnend am 22.3. bis zum Höhepunkt und Abschluß am Abend des 25.3.

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Das Projekt wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen der Aktionen für eine Offene Gesellschaft.

„Der Pascha von Magdeburg“ Interkultur-Stadtspaziergang

Wir begeben uns auf Spurensuche nach deutsch-islamischer Vergangenheit, hören Geschichte(n) von Mehmed Ali Pascha aus Magdeburg, von Muslim*innen in Mitteldeutschland und Magdeburg vor drei- und vierhundert Jahren, in den beiden Weltkriegen und heute, sehen im Magdeburger Dom die Sandsteintürken und Kampfelefanten.

Wann? 22.3.2017, 15:30 – 17:30 Uhr
Wo? Treffpunkt: Tatarenturm hinterm Dom (Ecke Remtergang/Fürstenwall)

Bitte anmelden bei Dr. Mieste Hotopp-Riecke (newroz@jugend-lsa.de) oder unter 015731758823. Die Führung wird bei Bedarf zweisprachig angeboten. Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Deutschkenntnissen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

GeoCaching-Safari

Mit dem Team der Zeitreise-Manufaktur Magdeburg erkunden wir den Stadtraum mittels GPS und Tablets auf interkulturellen Spuren von Architekturen, Gerüchen, Denkmalen, exotischen Speisen und bunten Erinnerungsorten zwischen Magdeburg und dem globalen Süden.

Wo? Treffpunkt Eingang Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Wann? 23.3.2017, 15:00-18:00 Uhr

Anmeldungen bitte an newroz@jugend-lsa.de. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Ausstellung Back to Rojava.Fotoausstellung.

Im Rahmen des Newroz-Teilhabe-Festivals zeigen wir Fotografien aus Südwest-Kurdistan / Nordost-Syrien, auf kurdisch genannt Rojava. Bilder der Aufklärung und der Solidarität. Die Foto-Ausstellung zeigt die Zerstörung, aber auch den Aufbruch in Rojava. Heute erproben die syrischen Kurd_innen das Experiment einer direkten kommunalen Demokratie und damit auch die Möglichkeit von Konfliktlösungen jenseits der alten, von Überwachen und Strafen geprägten Kultur der Gewalt. Ihre politischen Institutionen legen großen Wert auf die Beteiligung der Frauen nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in den politischen Entscheidungsgremien und Bildungseinrichtungen. Ein neues Gesundheitswesen wird aufgebaut, eine eigene Polizei entsteht. In den Schulen lernen die Kinder Arabisch und Kurdisch: ein absoluter Tabubruch mit den Jahrzehnten unter dem Assad-Regime.

Ein Projekt von attenzione photographers / Civaka Azad. Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V. / medico international / Rosa Luxemburg Stiftung. Koordinierungskreis Syrien/Nordirak/Rojava online 

siehe auch: https://www.medico.de/back-to-rojava-16301/

Wo? Foyer & Scheune im Kulturzentrum Moritzhof, Moritzplatz 1, 39104 Magdeburg
Wann? 25.3.2017, 18.00 Uhr

Filme + Diskussion

„Haymatloz. Exil in der Türkei“

Direkt nach der Machtergreifung durch die Nazis verloren rund ein Drittel der Professor*innen ihre Stellungen an deutschen Universitäten. Es flüchteten zahlreiche Intellektuelle, Jüdinnen und Juden sowie Antifaschist*innen in das unbekannte Exilland Türkei. Die Filmemacherin Eren Önsöz begleitet einige Nachkommen dieser Professoren an Schauplätze in der Schweiz, Deutschland und in der Türkei. An der Modernisierung der Türkei waren die renommierten Deutschen wesentlich beteiligt. Doch was ist von dem Kultur- und Wissenstransfer unter Premier Erdoğan übrig geblieben? Wo doch heute in der Türkei die Atatürkschen Reformen rückgängig gemacht und laizistische Strukturen aufgelöst werden. Gilt das auch für die Bemühungen der Exilant*innen? Inmitten der weltweiten Flüchtlingskrise wirft der Dokumentarfilm hochaktuelle Fragen auf und beleuchtet das Schicksal der akademischen Elite Deutschlands im türkischen Exil: Verfolgt, hofiert und „haymatloz“.

Mit der Regisseurin Eren Önsöz wird der Moderator, Kabarettist und TV-Talker Lars Johansen über ihren Film „Haymatloz“ ein Filmgespräch führen, in das auch Jochen Schrader mit einstimmt. Jochen Schrader ist der Urenkel von Friedrich Schrader aus Wolmirstedt, der bereits eine Generation früher – vor dem Ersten Weltkrieg – in das Osmanische Reich emigrierte und dort zu den führenden Intellektuellen aufstieg, zwei Dutzend Sprachen beherrschte und sich als Publizist für Völkerverständigung und Frauenrechte einsetzte. Thema ist also Migration einmal anders herum: Deutsche in der Türkei im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Welt-Kriege und Deportationen.

Wo? Kulturzentrum Moritzhof, Kino unterm Dach
Wann? 25.3.2017, 14:00 Uhr

Die Veranstaltung findet auf türkisch und deutsch statt und richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Deutschkenntnissen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten, da die Platzzahl begrenzt ist –> newroz@jugend-lsa.de

„Wasserläufer“

Der 12-jährige Djudi ist mit seiner Familie vor dem Krieg aus Syrien nach Istanbul geflüchtet. Da sie dort keinerlei Unterstützung erhält, bestreitet die Familie ihren Lebensunterhalt mit dem Straßenverkauf von Wasser und Brezeln. Durch Momentaufnahmen aus ihrem Alltag enthüllt die Dokumentation ein bewegendes Familienschicksal und zeigt, welche Träume, Wünsche und Hoffnungen durch eine Flucht auf der Strecke bleiben.

Das Filmgespräch führen Beston Zirian Ismael  (Leipzig, Regisseur) und Lars Johansen (Magdeburg, Kolumnist/Moderator/Kabarettist).

Wo? Kulturzentrum Moritzhof, Kino unterm Dach
Wann? 25.3.2017, 16:45 Uhr

Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Deutschkenntnisse. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten, da die Platzzahl begrenzt ist.

Poetry Slam „Meine Spuren, meine Welt“

mit Bestseller-Autor Jaromir Konecny.

Der böhmisch-bayerische Schriftsteller Jaromir Konečny, mehrfacher deutscher Poetry-Slam-Meister und erfolgreicher Bestseller-Autor (Doktorspiele, DönerRöschen) begibt sich mit alteingesessenen und zugewanderten jungen Menschen und jungen Kolleg*innen von „Halternativ“ e.V. auf Spurensuche nach dem Ich und dem Woher und Wohin, nach dem Hierbleiben oder Weggehen, nach Sehnsucht und Aufruhr.

Kleine Poetry-Stücke werden am Abend auf der Bühne geslämmt…

Wo? Kulturzentrum Moritzhof, Galerie
Wann? 25.3.2017, 14:00-18:00 Uhr

Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Deutschkenntnissen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten, da es einebegrenzte Teilnehmer*innenzahl gibt.

Lesung Newroz erlesen.

Wir hören Geschichten vom Schmied Kawa, von Drachen, von tyrannischen Herrschern und Widerstand, vom Kind-Sein im Nahen und Mittleren Osten, von bunten Newrozfeiern, gutem Essen, Sehnsucht nach Freiheit und Frieden. Kinderbücher auf kurdisch und deutsch werden gemeinsam vorgelsesen und besprochen.

Wo? Kulturzentrum Morizhof,
Wann? 25.3.2017, 16.00-18.00 Uhr

Die Veranstaltung findet auf kurdisch (kurmancî) und deutsch statt und richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Deutschkenntnissen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Workshops

Informationen zu einem Videoworkshop, einem Tanzworskshop, einem Trommelworkshop sowie einem interkulturellen Kochkurs der arabisch-kurdischen Küche folgen demnächst.

Bühne & Konzert

Im ersten Teil des Bühnenprogramms werden Gedichte vorgetragen, die Theatergruppe „Mein Weg“ zeigt eine Uraufführung auf arabisch, deutsch und kurdisch, der syrische Autor Ammar Awaniy liest aus seinem Manuskript „Die Fackel der Angst. Von Homs nach Magdeburg“ und eine Tanzgruppe zeigt kasachische Tänze. Ergebnisse des Poetrs-Slam-Workshops mit Jaromir Konecny werden diesen ersten Teil beschließen.

Im zweiten Teil des Abends gibt es nacheinander Konzerte verschiedener Künstler*innen und Bands: die Koma Siwa, die Gruppe Rêga, die Martin-Rühmann-Band und Ferhat Tunç & Band. Ferhat Tunç ist einer der bekanntesten kurdischen Sänger und Musiker der Türkei. Er stammt aus Dersim und ist seit Jahrzehnten in der Menschenrechtsbewegung und als Publizist aktiv.

Wo? Kulturzentrum Moritzhof, Scheune.
Wann? 25.3.2017, 18:30-22.30 Uhr

Die Veranstaltung findet auf deutsch, türkisch, kurdisch, arabisch und persisch statt und richtet sich ausdrücklich an Menschen mit und ohne Deutschkenntnissen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

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