Angesichts eines immens gestiegenen Bildungs- und Beratungsbedarfs zu den Themen Islam, Interkulturgeschichte, Integration und Vielfalt hat das ICATAT in Sachsen-Anhalt eine Bildungs- und Empathie-Offensive initiiert. Unter dem Titel „Neue Heimat / Al watan al-dshadid“ werden über drittmittelfinanzierte Bildungs-Module unterschiedliche Bedarfe abgedeckt, die in den letzten Jahren vernachlässigt und nun aufgrund gestiegener Flüchtlingszahlen in ihrer Dringlichkeit nicht mehr zu ignorieren sind. Zielgruppen sind einerseits Lehrer_innen und andere Multiplikator_innen, etwa aus dem Ehrenamtsbereich oder der Verwaltung, sowie andererseits Schüler_innen, Einwander_innen und Flüchtlinge. In Blockseminaren, Tagesworkshops und auf GeoCachingTouren hun bi xer...wird Wissen für zweierlei Aha-Effekte vermittelt: Die alteingesessene Bevölkerung einerseits entdeckt, dass auch unsere Vorfahren schon mit Phänomenen wie Zuwanderung oder religiöser Vielfalt umgehen mussten. Gerade Magdeburg aber auch die Altmark zum Beispiel blicken auf eine multiethnische Vergangenheit zurück: Holländer, Franzosen, Flamen, Sorben gehören dazu, aber auch osmanische und tatarische Spuren sind hier bezeugt. So können nun Flüchtlinge und Einwanderer andererseits erfahren, dass sie nicht die ersten Neubürger hier sind. Ein Bildungsmehrwert auf beiden Seiten, der gemeinsam gewonnen und vielsprachig bearbeitet wird mittels Hinterfragen von Alltäglichem und Entdecken von Vergessenem. Die Empathieoffensive lädt ein zum Begegnen mit dem vermeintlich “Fremden” in unserer Region als auch in uns selbst: Deutsche im Orient, Muslime in Magdeburg und Halle, in Börde, Harz und Altmark. Osmanen in der Vergangenheit der Region Sachsen-Anhalt sowie Türken, Kurden und Tataren in der Gegenwart werden vorgestellt zusammen mit Migrantenselbsorganisationen und Schulkl

Ein äußerst erfolgreiches Projekt in diesm Kontext konnte mit Förderung durch den Engagementsfonds „Willkommenskultur“ des Landes Sachsen-Anhalt, begleitet durch die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen (LAGFA) im Herbst und Winter 2015 abgewickelt werden: Mit unseren ICATAT-Welcome-Safaris konnten wir Wissen um Sozialraum und Interkulturgeschichte unserer Stadt Flüchtlingen anbieten, die neu nach Magdeburg gekommen waren, als auch Migrant*innen, die bereits einen längeren Zeitraum in Magdeburg wohnen. Im Laufe des Projektzeitraums ergaben sich aus den unterschiedlichen Gruppen heraus und (durch uns vermittelt) zwischen den geführten Gruppen Kontakte zu den Institutionen / Organisationen, die an den einzelnen Stationen des Stadtrundganges und bei den Vorbereitungstreffen gezeigt / angesprochen / vorgestellt wurden. Neben dem geplanten Projektziel, die Neumagdebürger mit Interkulturgeschichte und sozialem sowie politischem Umfeld der Stadt vertraut zu machen, konnten wir so noch einen Schritt weiter gehen und neu Eingetroffene mit alteingesessenen Migrantenselbstorganisationen als auch deutschen Nachbarn bekannt zu machen und auf Vor- und Nachbereitungstreffen, bei gemeinsamem Kochen und Essen zu neuen gemeinsamen Projekten zu animieren. Muslim*innen, Christ*innen und Atheist*innen, die sich sonst nicht häufig begegnen sind zum Beispiel Ende Februar durch die Bekanntschaft aus unserem Willkommensprojekt gemeinsam am Projekt „Europäische Held*innen“ im Februar 2016 beteiligt. Daran nehmen sowohl syrische und afghanische Flüchtlinge, jüngst Zugezogenen aus Rußland und der Ukraine sowie Alteingesessene Aserbaidschanr*nnen, Tatar*innen und Palästinenser*innen teil. Einladungen unter den verschiedenen Gruppen wurden gerne angenommen und so zur innerstädtischen Vernetzung beigetragen. Eine gemeinsame Abschlussveranstaltung wurde gemeinsam vorbereitet (Essen gekocht, Kostüme für eine frisch entstandene syrische Tanzgruppe genäht, Übersetzungen von Liedern und Gedichten gemeinsam vorbereitet und präsentiert). Wir freuen uns, dass das Projekt so auch eine nachhaltige positive Wirkung entfalten konnte, sowohl in die Migrantengruppen als auch in die Nachbarschaftsviertel / Stadtlandschaft / Vereinsszene hinein.

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Das ICATAT ist Mitglied im Netzwerk für Demokratie und Toleranz Sachsen-Anhalt und Kooperationspartner der Bundeskoordination „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“. Fachliche Expertise sowie ein reicher Erfahrungsschatz aus ähnlich gelagerten Projekten des ICATAT bilden die Basis für Erfolg und Qualität der Bildungsangebote, wie z.B. die interdisziplinären Bildungsmodule zur interkulturellen Geschichte Sachsen-Anhalts „Der Pascha von Magdeburg“ und „Ali und Hanife in Sachsen-Anhalt“, gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung. Schulen und Initiativen/Vereine können sich bei Bedarf gerne melden unter: office@icatat.de

Kooperationspartner des Projektes sind die Union der Tataren in der Bundesrepublik „Tatarlar Deutschland e.V:“, die DITIB-Jugend, die islamischen Gemeinden Sachsen-Anhalts, das Bundesmodellprojekt „Dehnungsfuge. Auf dem Lande alles dicht?“, diverse Migranten-Selbstorganisationen, die Refugees-Welcome-Initiativen, Volkshochschulen sowie Institute und Hochschulen in- und außerhalb Sachsen-Anhalts.

Von dem Vorhaben und der Notwendigkeit intensiverer Vermittlung interreligiöser und –kultureller Bildung in Sachsen-Anhalt berichteten bereits die Altmark-Zeitung, Die Welt, Focus-online, ISLAMiq.de, Volksstimme und die Mitteldeutsche Zeitung. Die ADN-Meldung hier downloadbar als PDF.