SABANTUY! Freundinnen und Freunde der tatarischen Kultur wissen bereits: Auf dem Fest des tatarischen Volkes gibt es immer wieder Vieles zu entdecken. Saban heißt in vielen Turksprachen der Pflug, toy oder tuy ist das Fest, oft die Hochzeit. Auf dem großen Euro-Sabantuy 2015 in Berlin treffen sich Jugendliche, Journalisten, Künstler und Akademiker aus Russland, der Ukraine, Polen und Deutschland sowie etlichen weiteren Staaten Europas um unterschiedliche Bereiche tatarischer Kunst, Geschichte und Gegenwart zu diskutieren, zu reflektieren und zu feiern.

Europäische Held_innen Musa, Mina, Ahmet

Ein Workshop zu tatarisch-deutsch-sorbischen Biographien, Heimat & Identität in Geschichte & Gegenwart

In unserer Jugendgeschichtswerkstatt „Helden Heimat Identität“ geht es um drei Biografien: Die des Wolgatataren Musa Dshalil, der sorbischen Journalistin Mina Witkoij und die des Krimtataren Amet Khan Sultan.

Musa Dshalil, Vorsitzender des Schriftstellerverbandes Tatarstans, freiwilliger Politoffizier der Roten Armee, Legionär der Wolga-Tataren-Legion der Deutschen Wehrmacht und Antifaschist ist nach wie vor eine Ikone in Kultur und Geschichte der Kasan- oder Wolgatataren. Über die Facetten seines Lebenslaufes, dessen Rezeption bei Linken und Rechten, bei Muslimen und Kommunisten, unter Jugendlichen und Veteranen geht es im Workshop. Der Dichter und Rotarmist wurde ermordet 1944 in Berlin-Plötzensee.

Ahmet Khan Sultan, zweifacher Held der Sowjetunion, Militärpilot der Roten Armee, ist der Hauptheld des ersten krimtatarischen Spielfilms. Die Tragödie seiner Familie und seiner Lebensgeschichte ist Thema unseres Workshops. Während er als erfolgreicher sowjetischer Jagdflieger seine Karriere als Testflieger fortsetzen darf, werden andere Familienmitglieder so wie sein ganzes Volk 1944 vom Stalin-Regime in Viehwaggons nach Zentralasien deportiert.

Mina Witkojc.“ Die sorbische Journalistin und Dichterin Wilhelmine Wittka (Mina Witkojc, 1893-1975), wurde wegen ihrer demokratischen Grundhaltung 1931 aus ihrer Redaktion entfernt, 1932 wegen angeblicher „deutschfeindlicher Politik“ vor Gericht gebracht, 1933 mit Berufsverbot belegt und 1941 von den Nazis aus der Lausitz ausgewiesen.

Alle drei Lebensläufe und ihre Rezeption bzw. Instrumentalisierung werden junge Menschen aus unseren  verschiedenen Ländern gemeinsam entdecken, diskutieren und vergleichen.