ICATAT begleitet 2015-2019 mit fachlicher Expertise Projekt gegen Rechtsextremismus / Fachkonferenz im Schweriner Schloß als gelungener Auftakt

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Dehnungsfuge. Auf dem Lande alles dicht?“ ist eines von bundesweit fünf Modellprojekten zur Demokratiestärkung im ländlichen Raum, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Programm „Demokratie leben!“ gefördert wird. Seit dem Mai 2015 ist unsere Webseite www.dehnungsfuge.com freigeschaltet. Die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V. (.lkj) entwickelte das Projekt „Dehnungsfuge“ und ist die nächsten fünf Jahre für die Umsetzung zuständig – in Zusammenarbeit mit regionalen und lokalen Partnern. Doch Dehnungsfuge? Kulturelle Bildung? Was ist das und wie passt dies zusammen, sind wohl die ersten Fragen, die beim Lesen des Projekttitels des neuen .lkj)-Projektes aufscheinen. „Der Begriff »Dehnungsfuge« ist bewusst aus dem Baujargon gewählt. Diese besondere Fuge gleicht das Quellen und Schwinden von Rissen aus – reale Risse zwischen Bauteilen und Materialien, symbolische Risse in der Gesellschaft zwischen Alt und Jung, zwischen Arm und Reich oder auch zwischen Kultur und Kommerz aus.“ heißt es im Antragsexposé der .lkj). Im Positionspapier Dehnungsfuge/shov/derz. des ICATAT heißt entsprechend: „Wir möchten jedoch sehr wohl mit aller Energie versuchen, der vom neoliberalen Verwertungskapitalismus erzwungenen sozialen Stratifikation unserer Gesellschaft etwas Ausgleichendes entgegenzusetzen. Dies möchten wir modellhaft eruieren, indem wir Benachteiligte unserer Einwanderungsgesellschaft – Teile der ländlichen Jugend, Einwanderer- und Flüchtlingskinder, hiergebliebene „Wendeverlierer“ mit (oft prekär beschäftigten) Kulturaktiven, mit Lokalpolitikern, Pädagogen und Sozialarbeitern, Verwaltung, dem erfolgreichen Mittelstand, dem Handwerk und der (regionalen) Wissenschaft vernetzen.“

BMFSFJ-Modellprojekte entwickeln und erproben innovative Ansätze im Bereich der Demokratieförderung und Präventionsarbeit. Sie setzen an dringenden Fragen und Problemen an, werden wirkungsorientiert geplant und umgesetzt und sind partizipativ gestaltet. Bewähren sich die in den Modellprojekten erprobten Methoden und Ansätze, sollen die in der Projektarbeit gewonnen Erkenntnisse auf die bundesweite Arbeit anderer Träger oder Förderbereiche, insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe, übertragen werden. Ziel ist die Weiterentwicklung pädagogischer Praxis unter Berücksichtigung spezifischer lokaler Strukturen und deren Überführung in die Regelstrukturen. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt Modellprojekte, die sich speziellen Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit widmen. “Dehnungsfuge” wird als Modellprojekt gefördert, das in der Arbeit gegen Rechtsextremismus, Gewalt und gruppen­bezogener Menschenfeindlichkeit die besonderen Strukturen und Rahmenbedingungen im ländlichen, struktur­schwachen Raum und entsprechende neue Herausforderungen an unsere Einwanderungsgesellschaft in den Fokus nehmen. Hierbei geht es darum, die demokratische Kultur vor allem junger Menschen zu stärken und neue Formen der Konflikt- und Problemlösung zu erproben. Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Einbeziehung von Flüchtlingen und Einwanderern, um eine Willkommenskultur demokratischer partizipativer an der Basis gestalten zu können.

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Die lokalen und regionalen Partner des Projektes Dehnungsfuge trafen sich am 19. März in Schwerin, um Aufgaben, Strategien und erste Schritte zu beraten, sich untereinander kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Die „Dehnungsfuge“ wird in vier Bundesländern an fünf Standorten umgesetzt: Als entsprechende Regionalpartner arbeiten am Projekt mit die Lkj Mecklenburg-Vorpommern, die Lkj Schleswig-Holstein und die Plattform kulturelle Bildung Brandenburg, denen jeweils lokale Partner zugeordnet sind. Die lokalen Partner sind Akteure aus der Kunstszene: Regisseure, Schauspieler, Musiker, Bühnenbildner unter anderem vom Theater der Altmark (Stendal, Sachsen-Anhalt), von der Lehnschulzen-Hofbühne (Viesen, Brandenburg) oder dem Landestheater Schleswig-Holstein.

Das ICATAT bringt in das Projekt Fachkompetenzen ein, die seit Jahren in den Bildungsmodulen „Der Pascha von Magdeburg“ und diversen internationalen Jugendaustausch- und Wissenschaftsprojekten angewendet werden. Insbesondere die Arbeit mit Migrant_innen aus dem islamischen Kulturkreis, deren Kindern, Einwanderern aus Osteuropa (oft mit ungenutztem Expertenwissen) sowie die Einbeziehung von Gastwissenschaftlern relevanter Fachgebiete wie Pädagogik, Soziologie, Islamwissenschaft und Turkologie wird vom ICATAT geplant, vermittelt und konzeptionell vorbereitet.

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Die Fachkonferenz „Alternativen in der Jugendarbeit“ im Plenarsaal des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern diskutierte neue Projekte, unter anderem die „Dehnungsfuge“, die „Essbare Stadt „aus Andernach sowie „otelo“ aus Österreich vor dem Hintergrund neuer Ansätze zur Einbeziehung von Jugendlichen und Migrant_innen.

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Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation der Bundesmodellprojekte übernimmt bis 2020 das Deutsche Jugend-Institut. Ein erstes bundesweites Treffen von circa 30 Bundesmodellprojekten fand in der Leucorea (Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg) im Juni 2015 statt.