Workshop, 29.-30. Jänner 2015

viana qirim

      

Auf Initiative von Krimtataren-ExpertInnen Deutschlands und Österreichs trafen sich im Jänner 2015 Akademiker unterschiedlicher Disziplinen an der Universität Wien. Die Annexion der Halbinsel Krim durch die Russländische Föderation im Frühjahr 2014 hat zumindest kurzfristig das Interesse der internationalen Öffentlichkeit auf sich gezogen, wurde dieser Schritt Moskaus doch mehrheitlich als nicht völkerrechtskonform gewertet. Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erfuhr hingegen die sich daraus ergebene neue Lage der krimtatarischen Bevölkerung, welche auf der von ethnischen Russen dominierten Halbinsel mittlerweile einen Anteil von ca. dreizehn Prozent ausmacht. Da das russisch-krimtatarische Verhältnis in der Vergangenheit häufig zumindest als angespannt zu bezeichnen war, wundert die weitgehende Ignorierung dieses Aspekts durch westliche Medien.

Der gemeinsam von den Universitäten Wien und Nürnberg-Erlangen unter der Federführung von Kerstin S. Jobst und Hüseyin I. Cicek konzipierte Workshop wird sich vor diesem Hintergrund wissenschaftlich der krimtatarischen Geschichte und Gegenwart widmen und einige im deutschsprachigen Raum tätige WissenschaftlerInnen zusammenbringen. Neben der Vorstellung und Diskussion ihrer Forschungen handelt es sich zugleich um ein Vernetzungstreffen, auf dem u.a. darüber verhandelt werden soll, wie eine deutschsprachige Öffentlichkeit zukünftig für den Faktor „Krimtataren“ im Kontext der Geschichte und Gegenwart der Halbinsel im Schwarzen Meer sensibilisiert werden kann. Ein Ergebnis der Tagung war der Beschluß, eine europäische akademische Plattform für interdisziplinäre Krimtatarenforschung zu initiieren. Auf www.krimtataren.eu soll so ermöglicht werden, zur Thematik fachlich fundiert beizutragen, sich zu vernetzen und auf Fachtreffen hinzuweisen.

Das ICATAT Deutschland war vertreten durch Dr. Mieste Hotopp-Riecke und Aishe Memetova, M.A..

Es trugen desweiteren vor:

Prof Dr. Andreas Kappeler (Wien): Muslime im Zarenreich und in der Sowjetunion
Prof. Dr. Christoph Augustynowicz (Universität Wien): Krimtatarische Gesandtschaften am Wiener Hof
Prof. Dr. Stephan Conermann (Universität Bonn): Evliya Çelebis Krimbericht im Kontext (fiel krankheitsbedingt aus). Dafür sprang ein: Clemens Pausz „Interaktionen zwischen Krimtataren und Zaporoger“
Dr. Mieste Hotopp-Riecke (ICATAT Magdeburg): „Serinnisimo Muradun Gerey“ – Preußisch-krimtatarische Beziehungsgeschichte“
Prof. Dr. Kerstin S. Jobst (Universität Wien): „Krimtataren im Zarenreich und in der frühen Sowjetunion“
Dr. Hüseyn Cicek (Universität Erlangen-Nürnberg): „Feindschaft in den Schriften İsmail Bey Gaspıralıs?“
Dr. Zaur Gasimov (Orient-Institut Istanbul): „Exilanten, Mittler und Europäer: Krimtatarische Intellektuelle zwischen Polen und der Türkei“
Aishe Memetova (ICATAT, Berlin): „Zur aktuellen Lage der Menschenrechte auf der Krim“
Die Veranstaltung wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung des Forschungsschwerpunkts „Diktaturen – Gewalt – Genozide“ am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

Dem Restaurant DIONYSOS NOSH sei gedankt für die fabelhafte Bewirtung.