SonderausstellungEin begleitendes Bildungsprojekt zur Ausstellung „Türcken, Mohren und Tartaren“ des Brandenburg-Preußen-Museums Wustrau in Kooperation mit dem Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT) Magdeburg/Berlin. Die Ausstellung wurde gezeigt vom 23. März bis 5. Oktober 2014 und schlug alle bisherigen Besucherrekorde, was Anlaß gab, die Inhalte der Ausstellung auch einem Publikum in Sachsen-Anhalt näher zu bringen.

Die Sonderausstellung wurde als Slideshow präsentiert, diskutiert und reflektiert und wurde so eingebunden in Workshops, Seminare und Vorträge zu Islam, Migration und Integration in Brandenburg-Preußen gestern sowie Mitteldeutschland heute .

Zielgruppe waren: Jugendliche, Migrantinnen und Migranten, Schüler der unteren und oberen Klassenstufen sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Die aktuellen Auseinandersetzungen hinsichtlich der Rolle und Bedeutung des Islams und der Muslime in der deutschen Geschichte zeigen in der Ausstellung, im Begleitprogramm „Ali und Hanife. Museum über Land“ sowie im dazugehörigen Katalog, dass die meist politisch funktionalisierten und emotional aufgeladenen Debatten auf wenig wissenschaftlich fundiertes, historisches Wissen zurückgreifen, sondern häufig allein auf Stereotype, Vorurteile und tradiertes Halbwissen verweisen. Unser Bildungsprogramm „Museum über Land – Ali und Hanife in Brandenburg“ bzw. „Ali und Hanife in Sachsen-Anhalt“ behandelt einen wichtigen aber bisher nicht in Schulmedien behandelten Aspekt der deutschen Geschichte: Die Anwesenheit von Muslimen als preußischen und sächsischen Staatsbürgern sowie in Spiegelung dessen die Auswanderung von Deutschen in Länder des islamischen Kulturkreises.

Unser gemeinsamer Ansatz bei der Projektarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen setzte immer auf Regionalgeschichte und Biografiearbeit in Kombination mit Islamwissenschaft und Turkologie.

Ali und Hanife standen dabei exemplarisch für unsere Herangehensweise: Der „Beutetürke“ Ali, gefangen genommen durch den brandenburgischen General Barfuß bei Ofen (heute Budapest) erlebt als Friedrich Aly eine Karriere über den Beruf des Kammertürken am Preußischen Hof bis zum Stadthauptmann von Charlottenburg. Anifa (im heutigen Türkisch Hanife, geb. 4.9.1790) ist die Tochter des Preußischen Lanzenreiters Radolenski im tatarischen Leib-Escadron von Baranowski. Anhand der Lebensgeschichten von solchen sogenannten Beutetürken und tatarisch-preußischen Lanzenreitern sowie muslimischer Migranten im heutigen Mitteldeutschland verbunden mit dem konkreten regionalen Umfeld zeigten wir in den Workshops, Seminaren und Vorträgen Möglichkeiten auf, komparativ zu analysieren, wie sich Migration und Integration in unserer Gesellschaft darstellen, die der Vergangenheit und die der Gegenwart.

Weitere Workshopbuchungen, Kontakte und Informationen über Dr. Mieste Hotopp-Riecke, office(at)icatat.de

Projektinformation als PDF-Datei hier zum download.