„Zwischen Fremdheit und Nähe. Kulturkontaktzone Mare Balticum im Wandel der Zeit“

Vom 4. bis 16. August findet das vierte ICATAT-Colloquium auf Hiddensee statt. Sechsundzwanzig TeilnehmerInnen aus Tatarstan, Polen und aus sieben deutschen Bundesländern nahmen die vielfältigen Kulturkontakte zwischen der christlichen, jüdischen und islamischen Welt in diesem Jahr in den Focus ihrer Arbeit. Drei Fach-Vorträge machen unser Forschungsprofil in diesem Jahr für die Öffentlichkeit sichtbar. Am 6. August 2013 sprachen Dr. Stephan Theilig und Dr. Mieste Hotopp-Riecke zur „Geschichte des Islam an der Ostsee“. Susanne Triebe (Zoologischer Garten Magdeburg) und Dr. Mieste Hotopp-Riecke präsentierten am 12. 8. zusammen das Thema „Flora Tataricae – Strandflieder, Buchweizen und Tatarenbrot, unser Erbe aus Osteuropas Steppen“. Die Vorträge liefen im Kurshaus der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald / Biologische Station Hiddensee.

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Ein A-Turnus und ein B-Turnus arbeitete je in zwei Arbeitsgruppen an Texten, Dokumenten und Fragestellungen, die von den Teilnehmerinnen im Kontext der Colloquium-Thematik selbst gewählt bzw. entwickelt wurden. Die Arbeitsgruppen „Kulturkontakt-Empirie-Geschichte“ und „Fauna-Äther-Kulinaria“ erarbeiteten unter anderem Projektpapiere zur Antragsreife, die in den nächsten Wochen bei Landes-, Bundes-, Kultur- und Wissenschaftsstiftungen eingereicht werden. TeilnehmrInnen des Hiddensee-Colloquiums 2013 waren unter anderem die Medizinhistorikerin Dr. Stephanie Neuner, der Stadt- und Regionalsoziologe Dr. Thomas Bürk, der Musikethnologe/Turkologe Ildar Kharissov, die Journalistin Anja Hotopp und der Turkologe Moritz Laeger (Alle A-Turnus) sowie die Kulturanthropologin Ewa Drewnowska,  der Mediengestalter Henry Mertens, die Bildende Künstlerin Stephanie Laeger und Susanne Triebe (Zoologischer Garten Magdeburg) (B-Turnus)..

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Der A-Turnus vor dem Kurs-Haus der Biologischen Station Hiddensee

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Hotopp-Riecke und Triebe bei der Arbeit: Vortrag „Flora Tataricae“

Gerhart Hauptmann & Prof.

Gerhart Hauptmann & Prof. Leiter der Biologischen Station

 

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Auf alten Spuren

Der B-Turnus des Colloquiums nahm an dem Rundgang „Auf den Spuren der Wissenschaftler“ unter Leitung von Marion Magas teil. Neben den hunderten Malern, Literaten, Lebenskünstlern und Schauspielern wie Heinrich Vogeler und Günter Fink, die sowohl die Krim als auch Hiddensee lieben lernten, prägten auch Wissenschaftler schon über ein Jahrhundert die Atmosphäre der Insel: Physiker wie die Nobelpreisträger Albert Einstein und  Gustav Hertz, der im Kaukasus zwangsverpflichtet ein sowjetisches Spitzeninstitut für die Atomforschung aufbaute oder DDR-Elitephysiker Robert Rompe, der auf Hiddensee begraben ist. Doch auch Orientwissenschaftler zog es schon vor einem Jahrhundert wie heute die Turkologen, Islamwissenschaftler und Historiker des ICATAT auf die Insel. Der große Indologe Walter Ruben, während des Nationalsozialismus im Exil in Ankara, baute sich ein Haus unweit der Biologischen Station und der Inselpfarrer Arnold Gustavs gründete hier 1923 zusammen mit den Altorientalisten Ernst Weidner, Fritz Schachermeyr, Bruno Meißner und Eckhard Unger die „Altorientalische Gesellschaft“.

Funk-Aktiv „Hiddensee-Welle Tataria“

Unter diesem Kürzel arbeitete ein Teil die AG „Fauna-Äther-Kulinaria“ an medienspezifischen Themen: Staatliche Medienpolitik gegenüber Muslimen in der Russländischen Föderation und der Ukraine; zur Geschichte der Tatarisch-Baschkirischen Redaktionen in Deutschland und Tschechien (Radio Free Europe / Radio Liberty; Zeitschrift Azatlyk; Bertugan, Altabash); zum Aufbau der muttersprachlichen audio-visuellen Medien der Turkvölker in Tatarstan, dem Kaukasus und auf der Krim (NTV Tatarstan, Radio Meydan [Simferopol], TRT Tatarstan, Radio Adygia u.a.). Aber auch die regionalen Medien wurden verfolgt und diskutiert, denn in den Tagen des Colloquiums waren die Republik Tatarstan und deren wirtschaftliche Dynamik Thema im Kontext der Übernahme der Stralsunder Volkswerft durch ein Konsortium aus Tatarstan (z.B. „Tataren-Republik steigt ins Rennen um Volkswerft ein„). Desweiteren in der Diskussion waren die Mediengesetze und Medieninstrumenatliisierung im Kontext neuer Medien und Nationalismen in der russländischen Föderation und der Ukraine (z.B. Berichte zu neuen rassistischen Umtrieben auf der Krim / antitatarischen Kampagnen von staatlichen und nichtsstaatlichen Akteuren auf der Krim) aber auch um neue Wissenschaftsliteratur (etwa die Präsentation der Werke zur Geschichte der Krimtataren von Valeri Vozgrin –> http://www.azatliq.org/content/article/25077704.html).

Entsprechend dem Leitthema des Colloquiums des „Mare balticum als Kulturkontakzone“ waren auch der Ramadanbeginn bei den Tataren Finnlands und Litauens und die Darstellung des Themas in den großen Medien der Mehrheitsgesellschaften Thema der Diskussionen (Azatlyk Radiosi: During Ramadan, A Long Wait For Dusk In The Land Of The Midnight Sun).

Für den Empfang nicht nur als Livestream im Internet sondern auch auf Kurzwelle wurden extra Analogantennen-Aufbauten am Leuchtturm Hiddensee und auf dem gelände der Biologischen Station Kloster instaliert. Auch die Ostseeanrainer-Sender aus Dänemark und Schweden konnten so empfangen werden. Für Fachkenntnis und Logistik danken wir hier explizit Herrn Oliver Meyer aus Augsburg für Bereitstellung, Transport, Instalation und Bedienung der Funktechnik.

Meier & Hotopp-Riecke

Per Kurzwelle Nachrichten auf tatarisch und türkisch: Hotopp-Riecke & O. Meyer
© Matthias Sendtke

Kopie von die FrequenzjägerBibel

„Die Bibel der Wellenjäger“ (F.A.Z.)

Mat on airmeydan etc