Am 9. Oktober fand das Panel „Migration der Muslime aus Russland / UdSSR nach (West)Europa und nach Übersee im 20./21. Jahrhundert.“ unter maßgeblicher Beteiligung der ICATAT-Mitglieder Swietlana Czerwonnaja, Temur Kurshutov und Mieste Hotopp-Riecke in Bonn statt. Leiterin und Organisatorin des Panels war Frau Prof. Dr. habil. Swetlana Czerwonnaja, Dr. h.c. der Tbilissi Staatsuniversität (Georgien), Dr. h.c. der Karatschaj–Tscherkessischen Staatsuniversität (Rußländische Föderation), Ord. Professorin der Nikolaus Kopernikus Universität Torun (Polen), Verdiente Wissenschaftlerin und Kulturschaffende der Republik Tatarstan.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Thematik des Panels:

Die Problematik der Beiträge schließt verschiedene Perioden des Massenexodus sowie der individuellen begrenzten Emigration der Vertreter der muslimischer Völker des Kaukasus, von der Krim als auch aus dem Wolga-Ural-Gebiet und Mittelasien (vor 1917,  nach Oktoberrevolution, während II. WK, nach Zerfall UdSSR 1990er) ein. Es geht um historische und politische Voraussetzungen, Formen und Typen und Besonderheiten verschiedener Wellen der Emigration: die Muhadširūn-Bewegung der Vorrevolutionszeit; politische Emigration der Führer und Teilnehmer der im Bürgerkrieg zerschlagenen Nationalbewegungen; Schicksale von Displaced Persons, Zwangsarbeitern, Gefangenen, Kämpfern der „grünen Bataillone“ und anderer Gruppen und Kategorien der „sowjetischen“ Muslime, die es zum Ende des II. Weltkrieges nach Westeuropa verschlug. Aber auch „nevozvraščency“ (Nicht-Heimkehrende) der 1950-80er; tschetschenische Flüchtlinge, „ökonomische Migranten“ und Vertreter der geistlichen und intellektuellen muslimischen Eliten, die die Rußländische Föderation in den 1990–2000er Jahren verließen. Die Beiträge wollen die unbekannten und weniger untersuchten Seiten der Menschenrechtstätigkeit der Emigranten (der Gruppe „Prometej“, 1920–30er., der 1946 in Den Haag gegründeten Liga der Atlantischen Charta), die dramatischen Momente ihrer Geschichte (Schauprozesse gegen „Panturkisten“, Türkei 1944–1945), die Grundlagen ihrer Organisation (Vereinigungen, Institutionen, islamische Zentren), ihre Rolle in der Entwicklung der freien Journalistik (Sender „Radio Free Europe / Radio Liberty“), der Wissenschaft, der politischen Publizistik, der europäischen Kunst und Kultur und im breiten Sinn des Islams in Europa  beleuchten.  Die theoretischen Studien zur muslimischen Migration greifen auch ein in similäre Bereiche wie Gruppenimages oder individuelle historische „Bilder“ solcher Personen, wie z. B. Yusuf Akçura, Ali Hüseyinzade, Ayas İshaki, Ahmed-Zeki Velidi Togan, Cafer Seydahmet, Mehmet-Emin Resulzade, Mustafa Çokay, Muharrem Feyzi Togay, Vassan-Giray Cabağı, Mahmud Dudov, Abdurrahman Avtorhanov, die gegenwärtigen tschetschenischen Aktiven im europäischen Exil.